TRÜFFELKISTE

Sinatra: That's Life oder Raus aus dem Opferdasein

  Jammerlaeppchen

Ich gebe es hier offen zu:

Ab und an verwandle ich mich in ein ausgewachsenes Jammerläppchen. (Falls Sie sich wundern, mit dem Begriff kann ich leben, ein Jammerlappen will ich jedoch nicht sein 😉): Jammere und lamentiere über die Ungerechtigkeiten der Welt - vor allem über die, die MIR gerade widerfahren.

Wie zum Beispiel aktuell die Verlegung von einigen Workshoptagen. Noch nicht einmal Stornierungen, aber trotzdem: GEMEIN   - mit diesem Geld hatte ich doch fest gerechnet. 😫 Finde das schrecklich und unfair, suche Schuldige und überlege mir, warum ausgerechnet MIR das widerfährt.

Zum Glück greift inzwischen ein neues Verhaltensmuster bei mir, sobald ich bei diesem unerquicklichen Gedanken angekommen bin. Das möchte ich Ihnen gerne empfehlen:
Ich atme tief durch und mache mir klar: SO schlimm ist es doch gar nicht. Es gibt vieles Schlimmeres, mit was sich andere Menschen herumschlagen. Und ich verlasse meine sehr unbekömmliche Rolle des armen Opfers, dem das Leben übel mitspielt.

Das Drama-Dreieck 

Eventuell kennen Sie schon das Modell des Drama-Dreiecks mit den Rollen: Opfer, Täter und Retter. Lassen Sie uns das an meinem Fall durchspielen.

Wenn ich mich als Opfer erlebe, gibt es natürlich auch Täter. Im Moment meine Auftraggeber, die so kurzfristig absagten. Doch die können ja auch nichts dafür, denn sie reagieren nur auf die Pandemie und die erschreckende vierte Welle. 🤔 Also sind wir alle Opfer von Corona. 😱

Wirklich?

Nur, wenn wir uns in diese Rolle begeben, uns als Opfer fühlen und jammern oder uns schreckliche Katastrophen minutiös ausmalen. Demzufolge auf Corona, die Politik, Impfverweigerer oder Impfbefürworter oder wer uns gerade einfällt, schimpfen.

Wir könnten es auch lassen! 🧐

Damit entfiele dann die Suche nach Heilsgestalten oder Rettern. Wir könnten die Politik wieder als Steuerorgan wahrnehmen, welches von Menschen gestaltet wird. Menschen, die ohne den Blick in die Glaskugel ihr Bestes tun, aber eben auch nur Menschen sind.

Dafür dann überlegen, WIE WIR mit allem umgehen wollen. Geholfen hat mir in den letzten Tagen Frank Sinatra mit dem Swingtitel „That’s Life“, der zu meinem Glück Ohrwurmqualität hat. 😉

Thats life engThats life dt

Lassen Sie uns erneut an den Start gehen

Lassen Sie uns doch die ganze Situation als Herausforderung ansehen:
Das gelingt am besten mit einem Perspektivwechsel. Der Autor David Emerald entwickelte das sogenannte Empowerment (Ermächtigungs)-Dreieck als Anti-Dreieck. Aus dem bisherigen Täter wird hier ein Herausforderer.

Wer schon an einem Anti-Ärger-Training von mir teilgenommen hat oder „Komm mal runter von der Palme“ gelesen hat, weiß um meine schwierige Beziehung mit meiner Schwiegermutter. Dass ich sie schwierig fand, lag ausschließlich daran, dass ich damals nicht mit ihr fertig wurde.

Sie war mir kommunikativ überlegen, das wurde mir irgendwann klar!

Genauso wie ein Box-Anfänger bei jedem Fehler von seinem (erfahreneren) Sparringspartner einen Schwinger versetzt bekommt, machte meine Schwiegermutter mir meine Kommunikationsfehler spürbar deutlich.

Im Box-Ring schütteln sich die Gegner nach der Runde die Hände. Der Box-Neuling bedankt sich sogar dafür, vermöbelt worden zu sein. SO weit wollte ich bei meiner Schwiegermutter nicht gehen. 😉 Doch in dem Moment, als ich verstand, dass sie mich meisterhaft in Kommunikation trainierte, entkam ich meiner Opferrolle und schuf die Basis für ein anderes Verhältnis zu ihr.

Raus aus der Opferrolle

Statt mich im ewigen Kampf zu fühlen, in welchem wir uns beide wechselweise als Täter und Opfer sahen, entschied ich mich, meine Kommunikation zu verändern und damit meine Beziehung zu gestalten: aus dem Opfer wird somit die Gestalterin.

Und aus den Rettern und ewigen Helfern werden Coaches, die Fragen stellen. Die dadurch dem bisherigen Opfer signalisieren, dass er oder sie kompetent ist und fähig, die Herausforderung zu meistern.

Das ist übrigens eines der größten Geschenke, das wir anderen machen können: Das Zutrauen, dass der andere selbst Lösungen finden kann.

Dann verändert sich sogar die Körperreaktion

Dieser Perspektivwechsel – die bewusste Bewertung des Geschehens als Herausforderung – verwandelt übrigens auch die Stressreaktion in uns. Statt auf Dauer schädigende Stresshormone, schüttet unser Körper nun Hormone für Gehirnwachstum (lernen), Motivation und Verbundenheit aus. Statt der Engstellung der Blutgefäße und einem Anstieg des Blutdrucks, bleiben die Adern weit und transportieren Sauerstoff und Nährstoffe zu allen Zellen, die das brauchen. Wir bekommen einen Energieschub und bleiben durch die gute Versorgung gesünder!

Mehr dazu auf meinem YouTube Kanal z.B.: Wie Stress Sie gesund halten kann

Gestalten Sie Ihr Leben

Nutzen Sie Ihre Fähigkeiten, ob es um Corona-Einschränkungen, die kommenden Festtage oder was Sie gerade belastet, geht. Fragen Sie sich, was SIE wirklich wollen. Tipps dazu finden Sie hier: Blogartikel-kein-weihnachts-aerger-in-diesem-jahr

Ab und an jammern tut doch aber gut!?!
Vielleicht um sich mal Luft zu machen. Um sich einzugestehen, dass es gerade echt Kacke ist. Um eine Bestätigung zu bekommen, dass es schwer ist und man tapfer.

Doch dafür muss das Jammern kurz sein.

Die Nutzung des Jammerläppchens

Letzter Tipp für heute: Nehmen Sie einen alten (zerfledderten) Putzlappen, stellen Sie sich einen Wecker und jammern Sie 10 Minuten nach Herzenslust.

Geben Sie alles! 😉

Wenn der Wecker klingelt, dann verlassen Sie (ich empfehle einen wirklichen Schritt) die Haltung des Jammerläppchens; INDEM Sie den Lappen fallen lassen. Wechseln Sie dadurch in Ihr wahres Ich: gestaltend und kompetent. Gestatten Sie sich ein leichtes Lächeln über das Jammerläppchen und verstauen Sie es nicht sichtbar für den Fall, dass Sie mal wieder jammern müssen.

Jetzt zwinkere ich Ihnen zu, so von einem Jammerläppchen zum anderen und wünsche Ihnen schöne Adventstage.

 


 

 

Geschrieben von : Carmen Reuter

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