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Autor: Carmen Reuter

Carmen Reuter ist Coach für leistungsstarke Frauen 45+ aus Justiz, Verwaltung, Klinik und Wirtschaft, in Karlsruhe und online. Sie verbindet über 35 Jahre Arbeit mit Menschen und die Ausbildung zur Wirtschaftsmediatorin IHK mit der Tiefe der Dr.-Bock-Coaching-Akademie und arbeitet auf der Identitätsebene, bevor der Körper streikt.
Negative Glaubenssätze auflösen — Frau sitzt nachdenklich am Fenster.

Negative Glaubenssätze auflösen: Wie du limitierende Glaubenssätze erkennst und veränderst

Ich hasse Stricken.

Genauer: alles, was früher das Schulfach Handarbeiten war. Ich weiß sogar ziemlich genau, wann das angefangen hat.

Zweite Klasse. Ein halbes Jahr bei den Großeltern in Hessen, weil ich ständig krank war und zu Hause ständig gestritten wurde. In Hessen gab es keinen Handarbeitsunterricht. Als ich zurückkam, hatten meine Klassenkameradinnen schon 6 Monate Strickunterricht hinter sich, und ich nahm den Kampf mit den beiden Nadeln auf.

Ich sage nur: Sie haben gewonnen.

Wir sollten einen Teddy stricken. Meiner war doppelt so groß wie die der anderen, viel zu locker gestrickt, und die weiße Watte quoll aus den knallroten Riesenmaschenlöchern heraus. Dazu die Schandnote 4.

Mein Urteil war gefällt: Ich bin halt unbegabt für Handarbeiten. Dieses Mindset begleitete mich über viele Jahre. Und weil ich die Nadeln nie wieder freiwillig anfasste, wurde ich natürlich auch nie besser.
Ich hatte mir eine Self-Fulfilling-Prophecy gebaut — eine sich selbst erfüllende Prophezeiung.

Bei einem Teddy ist das eine lustige Geschichte.

Bei einem Satz wie „Ich sollte mich nicht so wichtig nehmen“ ist es keine mehr. Dann kostet dich so ein Satz kein misslungenes Strickstück, sondern Jahre.

In diesem Artikel zeige ich dir, wie du limitierende Glaubenssätze erkennst, woher sie kommen — und wie du negative Glaubenssätze auflöst, ohne dir etwas einzureden, das du gar nicht glaubst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Glaubenssatz ist ein Satz über dich, den du für eine Tatsache hältst. Er entstand meistens früh — und hat dich damals geschützt.
  • Du erkennst ihn daran, dass er absolut UND wahr klingt — „immer“, „nie“, „ich bin halt so“ — und dass du ihn noch nie überprüft hast.
  • Bekämpfen funktioniert nicht. Wer gegen einen Glaubenssatz anredet, macht ihn lauter. Wer ihn versteht, kann ihn verändern.
  • Auflösen geht in sechs Schritten: sichtbar machen, Herkunft finden, Nutzen anerkennen, prüfen, Gegenbeweise sammeln, einen tragfähigen Satz bauen und erleben.
  • Affirmationen allein reichen selten. Ein Satz, den du nicht glaubst, wird durch Wiederholung nicht wahrer.

Was sind Glaubenssätze?

Ein Glaubenssatz ist eine innere Überzeugung über dich selbst, über andere oder über die Welt. Er ist kein Gedanke, den du dir gerade überlegst. Er ist ein Satz, den du für selbstverständlich hältst. Er bildet einen Teil des Filters, durch den du die Welt siehst, das sogenannte Mindset.

Der Unterschied ist wichtig: Einen Gedanken kannst du hinterfragen. Einen Glaubenssatz hinterfragst du nicht — weil du gar nicht merkst, dass es einer ist.

Ich beschreibe das im Coaching gern so: Weil diese Gedanken irgendwie schon immer da waren, wirken sie wie eine unumstößliche Wahrheit.

Glaubenssätze entstehen meistens früh — in Kindheit und Jugend, aus dem, was wir immer wieder gehört haben. Manchmal auch aus einer einzigen Situation, die sich eingebrannt hat. Ein Teddy mit Riesenmaschen reicht schon.

Die Harvard-Psychologin Ellen Langer, die seit Ende der 70er zu Achtsamkeit forscht (als Gegenmittel zur Gedankenlosigkeit), hat dafür ein Bild, das mir gefällt: Wir treffen eine Unterscheidung einmal bewusst — und benutzen sie danach jahrzehntelang gedankenlos weiter.
Ihr Kernsatz: Nicht unser Zustand begrenzt uns, sondern unsere Überzeugungen über unsere Grenzen.

Glaubenssätze sind nicht per se schlecht. Es gibt Sätze, die unterstützen: „Ich schaffe das.“ „Ich bin gut genug.“ Sie geben Sicherheit und Rückenwind.

Problematisch werden sie erst, wenn sie dich kleiner machen, als du bist. Dann spricht man von limitierenden Glaubenssätzen — sie begrenzen dich.

Der Ventilator, der Hubschrauber werden wollte

Es gibt einen Spruch, der das gut trifft: „Ventilatoren sind auch nur Hubschrauber, die ihren Lebenstraum aufgegeben haben und nun im Büro arbeiten.“
Vielleicht hielt der Ventilator sich für zu klein. Vielleicht war das Büro einfach sicherer. Sicher ist er jedenfalls — aber er fliegt nicht.

Woran du limitierende Glaubenssätze erkennst

Begrenzende Glaubenssätze verstecken sich in der Alltagssprache. Der Psychologe Martin Seligman hat beschrieben, woran man den pessimistischen Erklärungsstil erkennt — und das ist zugleich der beste Test für einen Glaubenssatz: Er klingt dauerhaft, allumfassend und persönlich: Es ist immer so, es gilt überall, und es liegt an mir.

Im Alltag zeigt sich das an fünf Merkmalen:

  • Sie klingen absolut. „Immer“, „nie“, „jedes Mal“, „ich bin halt so“. Ein Glaubenssatz kennt keine Ausnahmen — sonst wäre er ja nur eine Beobachtung.
  • Sie fühlen sich wie Tatsachen an. Du sagst nicht „ich glaube, ich kann das nicht“. Du sagst „ich kann das nicht“.
  • Sie melden sich körperlich, bevor du sie denkst. Deine Schultern gehen hoch, du beißt die Zähne zusammen — und erst danach kommt der Satz (in deinen Gedanken).
  • Sie haben oft eine fremde Stimme. Wenn du genau hinhörst, ist es häufig nicht deine. Sondern die deiner Mutter, deines Vaters, einer Lehrerin. Bei mir war es Fräulein Herbster.
  • Sie kommen immer an derselben Stelle. Immer, wenn dich jemand fragt, ob du noch etwas übernehmen kannst. Immer, wenn du dich endlich hinsetzen willst.

Noch etwas, das wichtig ist: Das ist kein Charakter-Makel. Das ist automatisches Verhalten, im Gehirn nach langen Jahren fest verdrahtet. Es sagt nichts über deinen Wert aus. Es sagt etwas über deine Geschichte.

Eine Übung, die zwei Minuten dauert

Nimm einen Satz, den du diese Woche über dich gedacht hast. Schreib ihn auf. Und schreib dahinter die Frage:

Wer hat das zuerst gesagt?

Wenn dir jemand einfällt — dann hast du einen Glaubenssatz gefunden.

Die vier Glaubenssätze, die leistungsstarke Frauen am häufigsten blockieren

Ich arbeite seit über 35 Jahren mit Menschen — und seit einigen Jahren vor allem mit Frauen ab 45, die im Beruf Verantwortung tragen und zu Hause alles zusammenhalten. In Justiz, Verwaltung, Kliniken, Unternehmen.

Carmen Reuter, Coach in Karlsruhe, begleitet seit über 35 Jahren Frauen beim Auflösen negativer Glaubenssätze.

Es sind immer wieder dieselben Sätze. Diese vier höre ich am häufigsten.

„Ich darf erst an mich denken, wenn alles andere erledigt ist.“

Der Satz mit der eingebauten Falle: Es ist NIE alles erledigt. Bekannt auch als: „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“

Deshalb kommt die Pause niemals. Wenn du dich doch einmal hinsetzt, ist da dieses Ziehen im Nacken und dieses leise „eigentlich müsste ich“. Ausruhen fühlt sich dann nicht nach Erholung an, sondern nach Versagen.

Woran du ihn erkennst: Du machst erst Pause, wenn dein Körper sie erzwingt.

„Wenn ich’s nicht mache, dann macht’s doch keiner.“

Vollständig lautet er meistens: „Wenn ich’s nicht mache, dann macht’s doch keiner. Dann bleibt’s liegen und morgen muss ich es doch machen.“

Er klingt nach Realismus und ist in Wahrheit ein Misstrauensvotum — gegen alle anderen und gegen die Möglichkeit, dass etwas auch anders gut sein könnte. Er sorgt dafür, dass du nie abgibst. Darauf bist du erschöpft und ärgerst dich zusätzlich darüber, dass dir niemand hilft.

Eine Klientin sagte mir dazu einmal: „Ist ja niemand anderes da, der das machen könnte.“ Sie leitete eine große Abteilung, vertrat einen langzeiterkrankten Kollegen und organisierte zu Hause ihre fünfköpfige Familie. So langsam ging sie am Stock. Aber ihr Glaubenssatz ließ sie weiterkämpfen.

Woran du ihn erkennst: Du nimmst oft Aufgaben zurück, die du schon abgegeben hattest. Das ist auch unter dem Begriff Rückdelegation bekannt.

Dieser Satz ist übrigens der Grund, warum dir das Nein sagen so schwerfällt. Wie du aus ihm aussteigst, ohne dich schuldig zu fühlen, liest du in Nein sagen lernen — und warum es bei Perfektionistinnen besonders zäh wird, in Perfektionisten können kein Nein sagen. Hier bleiben wir beim Satz selbst.

„Ich sollte mich nicht so wichtig nehmen.“

Das ist der teuerste Satz, den ich kenne. Er klingt bescheiden, fast nach einer Tugend. Und er richtet mehr an als die meisten anderen.

Denn eine der schlimmen Folgen ist: Du respektierst deine eigenen Bedürfnisse nicht. Daraus folgt, dass andere sie genauso wenig respektieren. Das wiederum zahlt direkt negativ auf deinen Selbstwert ein — wodurch es noch schwieriger wird, Grenzen zu setzen, wenn es um deine Bedürfnisse geht. Und so weiter.

Dazu kommt ein fieser Nebeneffekt, den George Bernard Shaw auf den Punkt gebracht hat:

„Wenn du damit beginnst, dich denen aufzuopfern, die du liebst, wirst du damit enden, die zu hassen, denen du dich aufgeopfert hast.“

Woran du ihn erkennst: Du wirst unruhig, wenn eine Stunde lang niemand etwas von dir will.

„Jetzt stell dich nicht so an“ und „Streng dich einfach mehr an“

Diese beiden gehören zusammen. Der eine verbietet dir zu spüren, der andere verlangt mehr. Zusammen ergeben sie die perfekte Anleitung zur Selbstausbeutung.

In der inneren Welt vieler Frauen, mit denen ich arbeite, klingt das so:

  • „Reiß dich zusammen.“
  • „Du musst dich nur ein bisschen mehr anstrengen.“
  • „Lass dich nicht hängen.“
  • „Die anderen schaffen es doch auch.“

Nicht hilfreich ist, dass unsere Leistungsgesellschaft auf genau diesen Ideen aufbaut. Das ganze Umfeld tickt oft genauso.

Woran du sie erkennst: Du bewertest deine eigene Erschöpfung als Schwäche — und die der anderen nicht. Für die hast du Mitgefühl, dich selbst beschimpfst du.

Wenn du dich in einem dieser Sätze wiedererkennst: Das ist kein Wesenszug. Das ist eine Gewohnheit mit sehr langer Dienstzeit. Es sind Sätze, die du gelernt hast, weil sie irgendwann sinnvoll waren. Wie du sie veränderst, steht weiter unten.

Die Klientin, der es nie reichte

Vor vielen Jahren coachte ich eine Frau in einer sehr hohen juristischen Position. Sie hatte beruflich erreicht, was zu erreichen war — und konnte sich doch nicht daran freuen. Denn der nächste Schritt blieb ihr verwehrt, und das machte sie buchstäblich krank.

Ihr (innerer) Satz lautete: „Erst wenn ich XY erreicht habe, bin ich erfolgreich.“

Woher der kam, war schnell klar. Aufgewachsen unter der Fuchtel eines überkritischen Vaters, in einem sehr konservativen Umfeld, glaubte sie immer noch nicht zu genügen. Ihr innerer Antreiber, sich wieder und wieder beweisen zu müssen, verhinderte beides: dass sie sich an ihren Erfolgen freuen konnte — und dass ihr Selbstwert je mitwuchs.

Egal was sie tat, es war nicht genug. Sie war nicht genug.

Das ist die eigentliche Bosheit dieses Musters: Sobald ein großes Ziel erreicht ist, gilt es als abgehakt und ist nichts Besonderes mehr. Die Bewertung liegt immer im Außen, bei anderen. Damit liegt auch das eigene Glück nicht mehr in der eigenen Hand.
Von der Eigen-Macht zur Ohn-Macht und zum Sich-unglücklich-Fühlen.

Meine Klientin hat das Coaching damals abgebrochen. Sie wollte von mir nur Tipps, wie sie ihr Ziel doch noch erreicht. Ihr Ziel zu überprüfen, die Erfolge ihres Lebenswegs zu feiern oder sich zu überlegen, was sie wirklich von Herzen brauchte — das kam für sie nicht in die Tüte.

Ob sie einen Ausweg gefunden hat, weiß ich nicht. Ich erzähle die Geschichte trotzdem, weil sie ehrlich ist: Ein Glaubenssatz löst sich nicht auf, weil jemand ihn dir zeigt. Er löst sich auf, wenn du bereit bist hinzuschauen.

Negative Glaubenssätze auflösen: 6 Schritte

Die sechs Schritte, um negative Glaubenssätze aufzulösen: sichtbar machen, Herkunft finden, Nutzen anerkennen, prüfen, Gegenbeweise sammeln, einen tragfähigen Satz bauen.

Ich bin fest davon überzeugt, dass es nie zu spät ist, die eigenen Glaubenssätze zu erkennen und zu verändern. Diese sechs Schritte gehe ich im Coaching immer wieder — die meisten davon kannst du allein machen, mit Stift und Papier.

Schritt 1: Den Satz sichtbar machen

Solange ein Glaubenssatz unbewusst im Hintergrund läuft, kannst du nichts mit ihm anfangen. Also hol ihn nach vorn.

Nimm dir eine Situation dieser Woche, in der du dich schlecht gefühlt hast. Schreib auf, was du dabei über dich gedacht hast — wörtlich, in deiner eigenen Sprache. Bitte nicht schön formulieren.

Nicht: „Ich habe manchmal Schwierigkeiten mit Abgrenzung.“
Sondern: „Wenn ich jetzt Nein sage, bin ich die Zicke.“

Der zweite Satz ist der echte.

Schritt 2: Herausfinden, wessen Stimme das ist

Lies den Satz laut. Frag dich dann: Wer hat das zuerst gesagt?

Bei vielen Frauen erscheint an dieser Stelle ein Gesicht: Eine Mutter, ein Vater, eine Lehrerin, ein Chef von vor zwanzig Jahren. Manchmal kommt niemand — dann war es keine Person, sondern eine Situation. Auch das reicht.

Warum dieser Schritt so viel bewirkt: In dem Moment, in dem der Satz eine Herkunft hat, ist er keine Wahrheit mehr. Er ist die Meinung von jemandem. Und Meinungen darf man prüfen.

Schritt 3: Anerkennen, wofür der Satz gut war

Dieser Schritt wird fast immer übersprungen. Genau deshalb halten die Ergebnisse nicht.

Im Coaching schauen wir uns an, welche guten Gründe es früher gab — warum du angefangen hast, das zu glauben. Denn jeder Glaubenssatz war einmal nützlich.
„Ich sollte mich nicht so wichtig nehmen“ hat vielleicht dafür gesorgt, dass ein Kind in einer überforderten Familie nicht auch noch zur Last fiel.
„Streng dich mehr an“ hat vielleicht Anerkennung gebracht, die es sonst nicht gab.

Der Satz hat dich geschützt. Er ist nur durch die Jahre mitgewandert, ohne dass jemand ihn aktualisiert hätte.

Sag ihm das ruhig innerlich: Danke. Du hast mir damals geholfen. Heute brauche ich dich so nicht mehr.

Das klingt seltsam. Es wirkt trotzdem — weil du aufhörst, gegen einen Teil von dir zu kämpfen.

Schritt 4: Ist das wahr? Die vier Fragen

Jetzt wird geprüft. Ich arbeite dabei mit einer kleinen Übung (hier in einer Kurzvariante), die viel kraftvoller ist, als sie daherkommt. Entwickelt hat sie Byron Katie, eine der ganz großen Menschen-Unterstützerinnen; sie nennt ihre Methode The Work.

Nimm deinen Satz — sagen wir: „Ich werde das eh nie schaffen.“ Und dann frag dich, schriftlich:

  1. Ist das wahr? — „Fühlt sich so an.“
  2. Kannst du mit absoluter Sicherheit wissen, dass es wahr ist? Ist es zu 100 Prozent wahr? — „Nein.“
  3. Wie fühlst du dich, wenn du das glaubst? — „Festgefahren, entmutigt, klein.“
  4. Wer wärst du ohne diesen Gedanken? — „Fokussiert, kreativ, in Bewegung.“

Die Antworten sind nur Beispiele. Beantworte die Fragen ehrlich für deinen eigenen Satz — und lass dir bei Frage 3 Zeit. Sie ist die unangenehmste und die wichtigste.

Noch wichtig bei Frage 4: „Ich weiß, dass du diesen Gedanken nicht loslassen kannst. Aber jetzt stell dir nur einen Moment vor, dass du ihn loslassen könntest. Wie würdest du dich dann fühlen?“

Schritt 5: Gegenbeweise sammeln

Jetzt drehst du den Satz um. Aus „Ich werde das eh nie schaffen“ wird: „Es ist absolut möglich, dass ich das schaffe.“

Beweis gefällig?

  • Du hast schon viele schwierige Dinge gemeistert.
  • Du hast Unterstützung — auch wenn du sie nicht immer nutzt.
  • Du lernst ständig dazu.

Genau das machst du jetzt mit deinem eigenen Satz. Such eine einzige Situation, in der er nicht galt. Eine reicht — damit ist „immer“ widerlegt. Dann such zwei weitere. Schriftlich, nicht im Kopf.

Dazu zwei Fragen, die es konkret machen:

  • Was kostet mich dieser Satz, wenn er in mir unbewusst wirkt? Nicht allgemein, sondern konkret: Wie viele Stunden diese Woche belastet er? Welche Beziehung? Welche Gelegenheit?
  • Was ist die Angst dahinter? Wenn ich mich wichtig nehme — was befürchte ich dann?

Diese kleine Denk-Drehung schafft Raum. Für neue Sichtweisen. Neue Entscheidungen. Und neue Wege.

Schritt 6: Einen Satz bauen, den du wirklich glaubst — und ihn erleben

Hier liegen die meisten Ratgeber daneben.

Der neue Satz darf nicht das Gegenteil sein. Wenn du seit vierzig Jahren glaubst, dass dein Wert an deiner Leistung hängt, dann hilft dir „Ich bin wertvoll, ohne etwas zu leisten“ kein bisschen. Du glaubst ihn nicht. Dein Kopf antwortet sofort: Klar. Erzähl das mal meinem Chef.

Ein tragfähiger Satz ist ein halber Schritt, kein Sprung. Er darf sich noch ein bisschen fremd anfühlen — aber nicht gelogen.

Alter SatzZu großer SprungTragfähig
Ich darf erst an mich denken, wenn alles andere erledigt istIch denke immer zuerst an michIch darf an mich denken, obwohl noch etwas offen ist
Wenn ich’s nicht mache, macht’s keinerAlle machen es genauso gut wie ichEs darf auch anders gut sein als bei mir
Ich sollte mich nicht so wichtig nehmenIch bin die WichtigsteMeine Bedürfnisse zählen genauso wie die der anderen
Jetzt stell dich nicht so anIch darf mich immer beschwerenIch darf ernst nehmen, was ich spüre

Nun kommt der Teil, den man nicht abkürzen kann: üben. Nicht vor dem Spiegel, sondern in echten Situationen. Eine pro Tag reicht.

Der Satz wird nicht wahr, weil du ihn wiederholst. Er wird wahr, weil du Erfahrungen sammelst, die zu ihm passen.

Falls es beim ersten Mal nicht klappt, gibt es ein Wort, das ich sehr mag — es stammt aus der Mindset-Forschung von Carol Dweck: NOCH nicht. Nicht „ich kann das nicht“, sondern „ich kann das noch nicht“. Zwei Silben, die eine Sackgasse in einen Weg verwandeln.

Warum Affirmationen bei limitierenden Glaubenssätzen oft nicht helfen

Ich werde regelmäßig gefragt, ob Affirmationen etwas bringen. Meine ehrliche Antwort: allein selten.

Eine Affirmation ist ein Satz, den du dir wiederholst, damit er wahr wird. Das funktioniert bei kleinen Verschiebungen. Bei einem Glaubenssatz, der seit vierzig Jahren dein Verhalten steuert, funktioniert es nicht — weil dein Kopf sofort widerspricht.

Die Oxford-Psychologin Elaine Fox hat dafür einen Namen (Backfiring-Effekt): Menschen mit pessimistischem Denkstil, die positiv denken sollen, verstärken ihre negativen Gedanken dadurch sogar. Das Gehirn gräbt die Fersen ein. Schlimmer noch: Wenn du dir täglich einen Satz sagst, den du nicht glaubst, wird die Kluft zwischen Satz und Erleben spürbarer.

Ich sehe das im Coaching regelmäßig — und es ist auch untersucht worden. Die Psychologin Joanne Wood ließ 2009 Menschen den Satz „Ich bin ein liebenswerter Mensch“ wiederholen. Wer ohnehin einen guten Selbstwert hatte, fühlte sich danach ein wenig besser. Wer einen niedrigen Selbstwert hatte, fühlte sich schlechter als vorher.

Der Grund ist unspektakulär: Ein Satz, den du nicht glaubst, ruft den Widerspruch auf. Schon kommt der nächste Glaubenssatz obendrauf: „Nicht mal das kriege ich hin.“

Und was ist mit Vision Boards?

Ähnlich. Ich halte viel davon, sich etwas vorstellen zu können — ohne inneres Bild verändert sich gar nichts. Nur hat die Sache einen Haken, den ich bei mir selbst beobachtet habe:

Wünsche und die Fähigkeit, sich etwas schön auszumalen, bergen die Gefahr, dass uns allein die Vorstellung befriedigt. Denn diese ist nicht riskant. Für unser Gehirn zählt eine gute Vorstellung fast wie ein reales Erlebnis. Man kann sich also sehr lange sehr angenehm etwas vormachen.

Ungewiss wird es erst, wenn du die Vorstellung in die Realität holst. Dann brauchst du Energie und öfter, als uns lieb ist, Blut, Schweiß und Tränen.

Das Gefäß mit dem Loch im Boden

Wir suchen weiter nach Zustimmung, um unseren Selbstwert zu stärken. Die Anerkennung kommt an — doch das Gefäß, in dem wir sie sammeln, hat ein Loch im Boden. Sie fließt durch. Der Hunger bleibt. Also hängen wir uns noch mehr rein, versuchen es perfekt zu machen und es allen recht zu machen.

Deshalb reicht auch der schönste neue Satz nicht, solange er nur gesagt und nicht erlebt wird. Verdrahtungen, die durch jahrelanges Gelobt-werden für Verfügbarkeit und Einsatz entstanden sind, ändern sich nicht durch ein neues Morgenritual. Sie ändern sich, wenn man am richtigen Ort ansetzt: nicht am Verhalten, sondern an dem, was darunter liegt.

Was stattdessen wirkt

  • Erfahrungen statt Wiederholungen. Ein einziges Mal Nein sagen und feststellen, dass die Welt nicht untergeht, verändert mehr als vier Wochen Affirmationen.
  • Klein statt groß. Nicht „ich bin wertvoll“ — sondern zehn Minuten, in denen du dich um dich kümmerst, während noch etwas offen ist.
  • Dranbleiben. Das ist das eigentliche Geheimnis, und es ist unspektakulär.

Dass sich das lohnt, zeigt übrigens die Stanford-Forscherin Alia Crum: In ihrem bekannten Experiment mit Mitarbeitenden einer Großbank veränderte allein die Überzeugung, Stress sei leistungsfördernd statt schädlich, messbare körperliche Werte. Was du über dich glaubst, bleibt nicht im Kopf.

Vision Boards und Affirmationen dürfen gern dazukommen. Als Erinnerung sind sie nützlich. Nur als Werkzeug reichen sie nicht.

Negative Glaubenssätze: Liste mit Beispielen

Diese Sätze höre ich in Coachings und Kursen immer wieder. Vielleicht ist deiner dabei.

Limitierender GlaubenssatzWas er bewirkt
„Ich muss perfekt sein.“Dauerstress und Erschöpfung, weil der Maßstab unerreichbar ist
„Ich darf keine Fehler machen.“Ständige Sorge, etwas falsch zu machen — und kein Lernen mehr
„Ich darf keine Schwäche zeigen.“Du bittest nie um Hilfe, obwohl Fragen kein Fehler ist
„Ich habe keine Zeit für Pausen.“Anhaltende Erschöpfung — und am Ende weniger Leistung, nicht mehr
„Ich bin unersetzlich.“Mikromanagement, Angst loszulassen, Kontrolle bis zur eigenen Erschöpfung
„Es wird besser werden, wenn ich nur noch diese eine Sache erledige.“Erholung wird immer weiter aufgeschoben — und es wird nicht besser, nur anders schwierig
„Ich kann alles allein schaffen.“Du isolierst dich und bist gleichzeitig überfordert
„Meine Bedürfnisse sind nicht so wichtig.“Du gibst dich selbst nach und nach auf
„Erfolg bedeutet, immer beschäftigt zu sein.“Keine Ruhe, keine Freizeit — obwohl die Ergebnisqualität zählen sollte, nicht die Stundenzahl
„Ich muss immer Ja sagen, denn ich will gemocht werden.“Du lädst dir zu viel auf und verlierst deine Grenzen
„Ich habe keine andere Wahl, ich muss …“Das Gefühl, gefangen zu sein — und daraus Hoffnungslosigkeit
„Ich muss es allen recht machen.“Du triffst Entscheidungen nach fremden Maßstäben
„Alles, was ich mache, reicht nicht.“Kein Erfolg zählt, weil er sofort abgehakt wird
„Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“Das Vergnügen kommt nie, weil die Arbeit nie fertig ist
„Lass dich nicht hängen.“Du übergehst körperliche Warnsignale
„Ich bin schlecht in Mathe.“Du meidest Zahlen — auch dort, wo du sie könntest
„Das ist kein richtiger Beruf.“Du wählst Sicherheit statt Erfüllung
„Ich bin ein ungeschickter Schussel.“Du traust dir praktisch nichts zu — und bestätigst es dir täglich

Und weil es die andere Hälfte auch gibt — das sind Sätze, die tragen:

Tragender GlaubenssatzWas er bewirkt
„Dein Wert hängt nicht von deinen Leistungen ab.“Fehler sind kein Drama mehr
„Fehler sind keine Katastrophen, sondern Lernchancen.“Du probierst wieder etwas aus
„Pausen sind keine Belohnung, sondern dein Recht.“Erholung braucht keine Rechtfertigung mehr
„Deine Bedürfnisse sind genauso wichtig wie die der anderen.“Grenzen setzen fühlt sich nicht mehr wie Egoismus an

Wann Coaching nicht reicht

Alte Sätze zu verändern ist eine Sache. Eine Erschöpfung, aus der du allein nicht mehr herauskommst, ist eine andere. Deshalb hier ein klares Wort dazu.

Das ist mir wichtig, und ich sage es lieber zu deutlich als zu leise.

Ich arbeite heutzutage als Coach — auch wenn ich Heilpraktikerin bin und im Gesundheitsbereich arbeiten darf.

Ich begleite Frauen in frühen Stadien von Erschöpfung — dort, wo noch Selbstwirksamkeit da ist. Wo du noch etwas selbst in die Hand nehmen kannst, auch wenn es sich schwer anfühlt.

Coaching ist der richtige Weg, wenn du dich zwar durchschleppst, aber noch handlungsfähig bist. Wenn du merkst: Ich will etwas verändern, ich weiß nur nicht, wie ich drankomme.

Da kann ich dich auch bei körperlichen Symptomen unterstützen.

Coaching ist NICHT der richtige Weg, wenn du gar nichts mehr selbst bewegen kannst. Wenn du morgens nicht mehr aufstehst. Wenn du seit Wochen nicht mehr schläfst. Wenn dich nichts mehr freut. Wenn du Gedanken hast, dir selbst etwas anzutun.

Dann gehörst du in ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung — und zwar zuerst. Bitte geh zu deiner Hausärztin. Sie ist der richtige erste Schritt, auch wenn Therapieplätze schwer zu bekommen sind.

Und wenn es akut ist, brauchst du nicht bis zum nächsten Termin zu warten. Diese Stellen sind rund um die Uhr erreichbar, kostenfrei und anonym:

  • Deutschland: Telefonseelsorge — 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123
  • Österreich: Telefonseelsorge — 142
  • Schweiz: Die Dargebotene Hand — 143
  • Bei akuter Gefahr: Notruf 112

Wenn dir Anrufen zu viel ist: Die Telefonseelsorge berät auch per Chat und Mail über telefonseelsorge.de — ebenfalls anonym. Für viele Frauen, die es gewohnt sind zu funktionieren, ist das die niedrigere Schwelle.

Coaching ist kein Ersatz für ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Und ich stelle keine Diagnosen — auch nicht in diesem Artikel.

Zum Schluss die Fragen, die mir zu diesem Thema am häufigsten gestellt werden.

Häufige Fragen zu negativen Glaubenssätzen

Was sind limitierende Glaubenssätze?

Limitierende Glaubenssätze sind innere Überzeugungen, die dich kleiner machen, als du bist. Sie fühlen sich nicht wie Meinungen an, sondern wie Tatsachen — deshalb überprüfst du sie nie. Sie entstehen meistens in Kindheit und Jugend und wirken oft jahrzehntelang weiter, ohne dass du sie bemerkst.

Wie kann ich alte Glaubenssätze ablegen?

In sechs Schritten: den Satz wörtlich aufschreiben, herausfinden, wessen Stimme das ist, anerkennen, wofür er früher gut war, ihn mit den vier Fragen von Byron Katie prüfen, Gegenbeweise sammeln und daraus einen Satz bauen, den du wirklich glauben kannst. Der letzte und wichtigste Teil ist das Üben im Alltag — ein Glaubenssatz löst sich durch neue Erfahrungen, nicht durch Wiederholung.

Was sind typische Glaubenssätze?

Typisch sind Sätze über den eigenen Wert („Ich bin nicht gut genug“), über Leistung („Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“), über Bedürfnisse („Ich sollte mich nicht so wichtig nehmen“) und über Fähigkeiten („Ich bin halt unbegabt für …“). Bei Frauen mit hoher Verantwortung höre ich am häufigsten: „Wenn ich’s nicht mache, macht’s keiner.“

Welche 10 negativen Glaubenssätze gibt es?

Diese zehn höre ich am häufigsten: „Ich muss perfekt sein“ · „Ich darf keine Fehler machen“ · „Ich darf keine Schwäche zeigen“ · „Ich habe keine Zeit für Pausen“ · „Ich bin unersetzlich“ · „Ich kann alles allein schaffen“ · „Meine Bedürfnisse sind nicht so wichtig“ · „Ich muss immer Ja sagen“ · „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ · „Ich habe keine andere Wahl“. Die vollständige Liste mit ihren Auswirkungen steht weiter oben im Artikel.

Was sind dysfunktionale Glaubenssätze?

Dysfunktional heißt: Der Satz erfüllt seinen ursprünglichen Zweck nicht mehr, sondern schadet. Ein Kind, das gelernt hat, bloß nicht aufzufallen, war damit vielleicht sicher. Dieselbe Regel sorgt bei einer erwachsenen Abteilungsleiterin dafür, dass sie sich nicht traut, nächste Schritte zu gehen. Der Satz ist derselbe geblieben, die Lage nicht.

Wie lange dauert es, einen Glaubenssatz aufzulösen?

Das lässt sich nicht seriös in Wochen angeben. Erkennen geht schnell — oft in einer einzigen Stunde. Verändern braucht Wiederholung im Alltag, weil ein eingeschliffenes Muster nur durch neue Erfahrungen abgelöst wird. Wer täglich eine kleine Situation anders löst, merkt meist nach einigen Wochen den ersten Unterschied.

Helfen Affirmationen gegen negative Glaubenssätze?

Allein selten. Ein Satz, den du nicht glaubst, wird durch Wiederholung nicht wahrer — und kann das Gefühl von Unzulänglichkeit sogar verstärken. Wirksamer ist ein Zwischensatz, den du gerade noch glauben kannst, kombiniert mit echten Erfahrungen im Alltag. Affirmationen dürfen das begleiten, aber sie ersetzen es nicht.

Kann man Glaubenssätze allein auflösen?

Viele ja — besonders die, deren Herkunft klar ist. Schwieriger wird es bei Sätzen, die tief mit dem Selbstwert verbunden sind, weil man den eigenen blinden Fleck schlecht allein sieht. Dann hilft ein Blick von außen: eine gute Freundin, oder professionelle Begleitung.

Fazit: Glaubenssätze auflösen heißt nicht, sich etwas einzureden

Negative Glaubenssätze auflösen bedeutet nicht, dir ab morgen etwas Positives einzureden. Es bedeutet, einen Satz zu finden, der still im Hintergrund läuft, ihn anzuschauen, ihm zu danken — und ihn dann Stück für Stück durch etwas zu ersetzen, das du tatsächlich glauben kannst.

Das ist unspektakulär. Es dauert. Und es hält.

Wenn du einen Gedanken aus diesem Artikel mitnimmst, dann diesen: Ein Glaubenssatz, der eine Herkunft hat, ist keine Wahrheit mehr. Er ist die Meinung von jemandem, der es damals nicht besser wusste.

Und einen Satz gebe ich dir noch mit, meinen eigenen:

„Was immer du aufhörst zu nähren, wird schrumpfen und vergehen.“

Arbeitsblatt „Deine Liste" — 18 Glaubenssätze zum Ankreuzen und die sechs Schritte zum Mitschreiben.

Ich habe die Sätze aus diesem Artikel zu einer Liste zum Ankreuzen zusammengestellt — mit den sechs Schritten als Arbeitsblatt, den vier Fragen auf einer Seite und der Tabelle zum Selbstausfüllen.

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Weitere Artikel, die dazu passen

Müssen wir unser Glück verdienen?

„Nicht das, was wir nicht imstande sind zu tun, hält uns zurück. Sondern die Angst, dass wir das Leben nicht verdienen, welches unser bestes, fähigstes Selbst erschaffen könnte.“

(Unbekannt)

Okay, ich räume ein: Der Satz holpert ein bisschen. Das liegt daran, dass ich ihn aus dem Englischen übersetzt habe (und ich hatte keinen Leistungskurs!).

Doch er bringt etwas zum Klingen in mir. Auch in dir?

Am Wochenende habe ich mit einer lieben Freundin telefoniert, die unglaublich viel Gutes in der Welt erschafft. Während wir sprachen, wirkte sie erschöpft. Als ich nachhakte, erzählte sie mir, was sie gerade persönlich umtreibt. Um es kurz zu machen: Ich war nach dem Gespräch ganz erschüttert, weil diese wunderbare, intelligente, liebevolle, zupackende Frau so geschickt darin ist …
sich selbst zu hindern, nach ihrem persönlichen Glück zu greifen. Als ob sie es selbst nicht glauben dürfe, es zu verdienen.

Verdienen? Dürfen?

Wie bitte?

Die verkorksten Gedankenmuster der Gesellschaft

Unsere Gesellschaft ist schon sehr verkorkst in ihren Gedankenmustern. Aufgrund unserer Sozialisation fällt es uns leichter, uns in Gedanken zu beschimpfen als uns selbst zu sagen „Ich liebe mich“.

Was muss ein Mensch tun, um zu verdienen, geliebt zu werden oder liebenswert zu sein?

(Die Antwort lautet natürlich: nichts!)

Das Dumme ist jedoch, wir glauben, die anderen – unser Umfeld – müssten uns die Erlaubnis geben, uns selbst lieben zu dürfen. Erst wenn dieses Umfeld uns Anerkennung, Wertschätzung oder sogar Liebe entgegenbringt, wäre die Vorbedingung für das Recht auf ein glückliches Leben gegeben. Dass das nicht klappt, sehen wir alle durch bei bewunderten oder gar geliebten Promis, die mit Suchtproblemen oder psychischen Erkrankungen kämpfen oder letztlich ihrem Leben ein Ende setzen.

Woran liegt es dann?

Wenn du innerlich nicht überzeugt bist, liebenswert zu sein, sabotierst du dich selbst. Du erlebst dann nicht „das Leben, das dein bestes Selbst erschaffen kann“. Sondern versuchst so zu funktionieren, wie die anderen dich haben wollen. Und das geht mit Sicherheit schief.

Der Pac-Man gegen selbstsabotierende Gedanken

Vor Jahrzehnten habe ich das kinesiologische Sabotage-Suchprogramm für diese Fälle kennengelernt. Es arbeitet wie ein kleiner Pac-Man, der durch das Labyrinth unseres Gehirns rennt und dabei sabotierende Gedanken mampft.

Dazu klopfst du dich sanft mit drei Fingern an der Handkante des kleinen Fingers, der Mittelfinger liegt auf dem Grundgelenk des Kleinfingers. Dazu sagst du (am besten laut, so dass es deine Ohren hören) folgenden Satz – ganz so, als ob du ihn (schon) glauben würdest:

„Ich liebe und akzeptiere mich von ganzem Herzen, mit allen meinen Fehlern und Unzulänglichkeiten. Ich bin es wert, geliebt zu werden und ein glückliches, gesundes Leben zu führen.“

Den Satz und das begleitende Klopfen am besten fünfmal wiederholen; noch besser: jeweils fünfmal pro Hand. Und optimal wäre, mehr als einmal am Tag!

Nachdem ich dieses gedankliche Antivirenprogramm kennengelernt hatte, habe ich die Übung über mehrere Monate gemacht. Und nach und nach meine behindernden Gedanken verändert und damit auch meine Lebensqualität. Wir haben nämlich das Recht, ein glückliches und zufrieden machendes Leben zu führen!

Und das darf uns auch in den Schoß fallen.

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Erinnerst du dich noch an die Aufregung und Vorfreuden der Vorweihnachtszeit deiner Kindheit? An erwartungsvolles Vor-dem-Adventskalender-Stehen, ans Plätzchen-Backen, ans beleuchtete-Tannenbäume -Zählen? Daran, sich einen Wettstreit mit dem Bruder liefern, wer mehr oder früher diese Vorzeichen der Festtage entdeckt… 😉?

Tja, und heute?

Irgendwie ist der Weihnachts-Zauber schon seit langem verflogen, und der Stresslevel zum Jahresende und vor allem die Deadline „Weihnachten“ nerven. Zeitdruck, Hektik und Ängste, dass man ja noch so viel schaffen muss, lösen steigende Gereiztheit aus. Und Menschen gehen schneller an die Decke.

Doch müssen Hektik und Weihnachtsstress sein?

Nein. Weihnachtsstress muss nicht sein. Wir Menschen besitzen die grandiose Fähigkeit, dass wir unsere Reaktion wählen können. Wir müssen uns nicht mit Ärger und Frust herumschlagen. Auch nicht zu Weihnachten!

Wie wäre es daher mit einer Prise Achtsamkeit, um den Duft und Geschmack von besinnlichen Weihnachten zu reaktivieren – statt den Weihnachtsstress zu verfluchen? Und nein, ich rede nicht davon, dass du dir Glühwein, Bratwurst und Zimtgebäck schmecken lässt. Sondern von tiefer, echter Achtsamkeit für dich und deine eigenen Bedürfnisse!

Die folgenden 3 Fragen helfen dir dabei herauszufinden, was DU für eine stimmungsvolle und schöne Weihnachtszeit brauchst – und wie du Weihnachtsstress vermeiden kannst.

Frage 1: Wie willst eigentlich DU die Vorweihnachtszeit und das Fest verbringen?

In vielen Familien gibt es rund um Weihnachten Knatsch, da diese Zeit mit Idealen und Erwartungen überfrachtet ist. Alle haben ganz bestimmte Vorstellungen davon, wie die Vorweihnachtszeit und das Fest ablaufen sollen; welche Traditionen und Ritualen man erwartet.

Zu Weihnachten soll es vielleicht eine stimmungsvolle Familienfeier sein, mit selbstgebackenen Plätzchen, Kerzenlicht & Weihnachtsbaum; mit genau den richtigen Geschenken; mit gutem Weihnachtsessen; mit schönen Gesprächen mit Familie und Freunden.

Nur: Bei diesen Erwartungen ist Stress vorprogrammiert. Weil sie oft viel zu hoch sind, vielleicht sogar unrealistisch. Trotzdem versucht man es, weil man es allen recht machen will. Kein Wunder, dass man sich abstrampelt und sich Weihnachtsstress breit macht!

Wesentliche Frage für weniger Weihnachtsstress: Wie willst DU die Adventszeit & das Fest verbringen?

Damit meine ich nicht das, was du „eigentlich“ vorstellst. Nicht das, was die anderen wollen. Nicht die familiären oder gesellschaftlichen Erwartungen an dich.

Sondern das, was du dir wirklich wünscht, damit du die Vorweihnachtszeit und das Fest genießen kannst. Das, was DU willst. So von ganzem Herzen!

Wenn du jetzt einen innerlichen Kommentar hörst in der Art: „Schön wär‘s ja … ABER das geht eben nicht …“, dann bedanke dich für deine innere Stimme.

Nimm dir bitte trotzdem ein paar Minuten Zeit, um zu überlegen:

  • Wann war die Advents- und Weihnachtszeit wirklich schön für dich?
  • Wie kannst du diese schöne Stimmung jetzt in dein Leben bringen?
  • Was waren für dich die Rezeptbestandteile, um dich an Advent und Weihnachten zu erfreuen? Überprüfe, was das ist. Denke nicht einfach nur an „Lichterglanz“ und „Tannenduft“ auf. 
    Sondern spüre: Macht dich sanftes Kerzenlicht froh? Liebst du den Geruch von Nadelbäumen? Was genau ist es, worüber du dich freuen kannst?
  • Überlege nun weiter, was unter diesen Dingen liegt. Was genau hat diese schöne, freudige Stimmung erzeugt? Was brauchst du für dein Inneres? Dein Seelenleben?
  • Jetzt überlege bewusst: Wie kannst du diese schöne Stimmung wieder aktivieren? Was brauchst du, damit du die Weihnachtszeit genießen kannst? Wie willst du deine Weihnachtstage erleben?

Also: Was willst DU WIRKLICH? Was brauchst du, um die Weihnachtszeit zu genießen?

Frage 2: Welche Wünsche an die Adventszeit und das Fest hast du heute?

Eine Lehre, die wir aus der Coronazeit mitnehmen können: Wir können Dinge anders tun, als es „sein muss“. Wir können es schaffen, auch mit Einschränkungen Schönes zu erleben.

Doch dafür brauchen wir ein wenig Zeit zum Reflektieren, zum Hinfühlen, Spüren, um die Frage beantworten zu können: Was brauche ich für eine schöne Weihnachtszeit, die mir Freude macht?

Prüfe bitte genau:

  • Sind es alte Ideale, Bilder und Erwartungen, die du herbeisehnst und die dir Freude machen?
    Feierst du nach Traditionen und Bräuchen, die sich im Lauf der Jahre entwickelt haben, und die nun beibehalten werden?
    Wenn ja: Genießt du diese Traditionen auch? Sind das deine Vorstellungen von einer schönen Weihnachtszeit?
  • Sind es deine eigenen Wünsche aus der Gegenwart, die in der Weihnachtszeit dein Herz erfüllen?
    Feierst du bewusst so, wie es dir guttut und Freude macht?

Wenn du das weißt, kannst du dir die nächste Frage stellen.

Frage 3: Was bist du bereit zu tun, um Weihnachtsstress zu vermeiden und die besinnliche Zeit zu genießen?

Mit Frage 1 und Frage 2 ist dir klar geworden, was du selbst brauchst, um die Weihnachtszeit und das Fest zu genießen.

Jetzt kommt der nächste Schritt: Überlege ganz konkret, wie du die besinnliche Zeit bewusst so zu gestalten kannst, dass du den Weihnachtsstress vermeiden und die schönste Zeit des Jahres genießen kannst!

Hier einige Ideen:

  • Vielleicht willst du dieses Jahr keine Plätzchen backen.
  • Oder im Gegenteil: Deine Freundinnen für eine wahre Plätzchen-Back-Orgie einladen!
  • Vielleicht möchtest du ein ernsthaftes Gespräch mit den Eltern und Schwiegereltern darüber führen, wie Weihnachten für alle schön werden kann.
  • Vielleicht versuchst du, die Interessen und Bedürfnisse aller herausfinden, und zu einer Win-Win- Lösung zu kommen, bei der es allen gut geht. Statt bei den faulen Kompromissen der Vergangenheit zu bleiben!

Der letzte Punkt ist der Königsweg zu einem Weihnachten ohne den üblichen Weihnachtstress. Wie das geht, erfährst du im nächsten Abschnitt!

Win-Win-Verhandlungen: Weniger Weihnachtsstress, mehr Weihnachtsstimmung!

Vielleicht kommt dir das bekannt vor: Wenn es um Weihnachten geht, haben alle ganz bestimmte Vorstellungen. „Aber bei uns haben wir das schon immer so gemacht …“, sagt die eine Partei. „Wenn ihr den Heiligabend nicht bei uns verbringt, dann (bitte hier die übliche Erpressung einsetzen)“, sagt die andere Partei.

Wenn beide auf ihrer Position beharren, werden immer nur die üblichen faulen Kompromisse herauskommen. Eine Partei geht als Sieger hervor, und die anderen knirschen mit den Zähnen. Schlechte Voraussetzung für gesegnete Feiertage und ein entspanntes Fest!

Doch zu wenige Menschen machen sich klar, dass hinter diesen Wünschen und Positionen oft ganz etwas anderes steckt.

Vielleicht würden sie dann zum Beispiel erkennen, was hinter ihrem Wunsch nach einem Weihnachtsfest mit den erwachsenen Kindern steht: „Wenn die Kinder nicht zu uns kommen, dann sind wir nicht so wertvoll wie die Eltern des Partners“, denken sie sich vielleicht insgeheim.

Statt sich damit auseinanderzusetzen und das Thema zu besprechen, bleiben sie in einer Position stecken und beharren auf ihren Wünschen.

Und dann kämpfen sie:

  • mit Erpressung,
  • mit Drohungen,
  • mit Beleidigt-sein,
  • oder traurigem, frustriertem Schweigen

Die Lösung: Verhandlungen und Gespräche – für ein Weihnachten ohne Stress!

Orientieren wir uns doch an den besten Verhandlern der Welt: Als Erstes suchen sie das Interesse der beteiligten Parteien. Das, was die Parteien WIRKLICH wollen. Dabei ergibt sich ganz häufig eine Schnittmenge – die oft sogar überraschend groß ist.

Dieser Ansatz ist eine gute Strategie, um die Weihnachtszeit und das Weihnachtsfest bewusst zu gestalten: Setz dich mit Familie und vielleicht auch den Freunden zusammen. Und dann besprecht ihr gemeinsam, wie ihr die Weihnachtszeit wirklich verbringen wollt. Was ihr euch wünscht und herbeisehnst. Was ihr braucht, damit es euch gut geht!

Sucht dann nach einer Schnittmenge, die für euch alle passt. Wenn es um Weihnachten geht, ist sie vermutlich groß: Die meisten Menschen wollen Frieden, Freude, Lachen, Anerkennung, Gemeinschaft. Gute Stimmung und gute Laune.

Niemand plant bewusst, dass er Weihnachten als Stinkstiefel feiern möchte!

Nicht nur zu Weihnachten ein Thema: Wie will ich mein Leben leben und gestalten?

Ich selbst frage mich immer: Was bin ich bereit zu tun, um mein eigenes Leben bestmöglich zu leben? Das ist für mich eine der wichtigsten Fragen für meinen Alltag; nicht nur an Weihnachten. Denn sie macht mich zur Gestalterin meines Lebens.

Ich verrate dir, was ich IMMER will – täglich! Ich will lachen, lieben, und mich am Leben freuen. Dafür tue ich viel.

Wie ist es bei dir?

Ich wünsche dir befriedigende Antworten und eine gesegnete und entspannte Adventszeit. Mit Freude im Herzen und leuchtenden Augen. Und ohne Weihnachtsstress!

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Schweigen um des lieben Friedens willen? Bringt nichts als Frust und Ärger

Ärger. Ein tolles Gefühl!

Wie, glaubst du mir nicht? Der Anti-Ärger-Expertin?

Es ist tatsächlich die Wahrheit: Je länger ich auf meiner Forschungsreise rund um den Ärger unterwegs bin, desto mehr schätze ich diese Emotion.

Ein Beispiel? Gern. Ein guter Freund von uns saß – da Hochrisikopatient – über ein Jahr in freiwilliger Quarantäne. Allein, mit wenig Kontakten, obwohl er drei Kinder und eine Ex vorzuweisen hat.

Zwei der Kinder schneiden ihren Vater. Das dritte lebt verheiratet mit dem Enkelchen im Ausland und pflegt einen regelmäßigen Kontakt.

Traurig, oder? Oder vielleicht verdient?

Wie ich es sehe, nicht. Es gibt durchaus Familien, in denen der Kontaktabbruch ein gesundes Mittel zum Weiterleben ist. Doch hier? Unser Freund ist und war kein Familien-Tyrann, weder boshaft noch gemein.

Wenn „zu lieb sein“ das einzige Verbrechen ist

Das Verhalten der beiden erwachsenen Kinder, die mit ihrem Vater gebrochen und ihn aus ihrem Leben geschmissen haben, macht mich unglaublich zornig. Denn das einzige Verbrechen, dessen man den Vater beschuldigen kann:

  • er war zu lieb
  • zu nachgiebig
  • hat versucht, alle Wünsche zu erfüllen
  • und sich selbst im Laufe der Jahre immer weiter zurückgenommen.

Bis er im eigenen Haus – als sie noch zu viert zusammenlebten – nur noch einen Raum im Keller für sich nutzte.

Warum? Um des lieben Friedens willen.

Die schlimmste Angst wurde zur Realität

Familie und Gemeinschaft sind seine höchsten Werte. Um die Familienharmonie nicht zu gefährden, stellte er seine Bedürfnisse laufend zurück. Er sagte nicht Nein und wehrte sich auch nicht, wenn er angegriffen oder ihm etwas unterstellt wurde.

Das Ergebnis: Seine schlimmste Angst ist Realität geworden. Er ist allein.

Was geht respektlosem Verhalten voraus? Lieb zu sein, reicht nicht im zwischenmenschlichen Umgang. Freundlich zu sein erscheint weich(lich) und erzeugt keinen Respekt.

Spectare (lateinisch) bedeutet: betrachten, anschauen, ansehen und respectio: Rückschau, Einschätzung, Betrachtung. Wenn ich immer nachgebe, um einen Konflikt zu vermeiden, werde ich langsam aber sicher unsichtbar. Dann werde ich als nicht wichtig eingeschätzt.

Im Respekt steckt „re“, das bedeutet „wieder“. Wer also immer wieder über den Tisch gezogen, übergangen oder despektierlich behandelt wird, der könnte sich die Frage stellen:
Wo liegt mein Anteil daran? Wo geht es darum, dass ich wieder gesehen werde, wieder sichtbar werde?

Wut und Zorn geben Kraft zur Veränderung

Ernst genommen werden wir nur, wenn wir Rückgrat zeigen, auch einmal Nein sagen und „Stopp, bis hierher und nicht weiter!“ Damit zeige ich mich und kann gesehen werden.

Da hilft uns der Ärger, der uns darauf aufmerksam macht, dass hier etwas nicht stimmt für uns; da brauchen wir unsere Wut und unseren Zorn, die uns die Kraft geben, Veränderungen anzugehen und durchzuziehen. Das alles mit Augenmaß natürlich.

Schon die alten Griechen haben sich mit diesen hitzigen Gefühlen beschäftigt und dem Nutzen, den sie haben können. Eins meiner Lieblingszitate stammt von Aristoteles:

„Jeder kann wütend werden, das ist einfach. Aber wütend auf den Richtigen zu sein, im richtigen Maß, zur richtigen Zeit, zum richtigen Zweck und auf die richtige Art – das ist schwer.“

Das trainieren wir leider nicht in der Schule. Was meinst du: Sollte der gute Umgang mit Ärger nicht zum Schulfach werden?

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Vodafone oder: Warum ich mal wieder mit Volldampf an die Decke ging

Neulich lief bei mir das Fass über.

Unser Fernseher streikte, also eigentlich war es der Festplattenrecorder, der nicht so wollte wie ich. Der vom Kabelanbieter… also jenes Gerät, das mich schon an dem Tag nervte, an dem wir es bekommen hatten. Ursprünglich war ich bei einem anderen Anbieter gewesen, der aber irgendwann geschluckt wurde – und auch dieser Firma blieb das Glück nicht hold. Nach wenigen Jahren wurde sie übernommen: von Vodafone.

Muss ich noch mehr sagen? (Vodafone-Kund*innen schütteln hier wahrscheinlich voller Empathie den Kopf.)

Die Hilfe, die ich benötigte, wollte ich mir nun bei der Hotline holen. Dort flog ich nach 17 Minuten raus. Grrr.

Also gut, zweiter Versuch – über die Website. Doch auch dort kam ich mit meinem Problem nicht weiter. So langsam brachte mich das auf die Palme. Kundenservice, ha, von wegen! Servicewüste Deutschland!!

Zu zweit schimpft und klagt es sich noch besser, oder?

Ich steigerte mich immer mehr rein, unablässig wie ein Rohrspatz schimpfend. Und rief dann meine Freundin an. Die hatte ähnliche Erfahrungen gemacht; wir grummelten und motzten nun also zweistimmig.
Beruhigung oder gar Ruhe brachte mir das nicht. Im Gegenteil, kaum war der Hörer aufgelegt, zeterte ich alleine weiter: „Mist-Gerät, Sch…Kundendienst!“
Ich konnte mich nicht beruhigen. Wollte mich nicht beruhigen! Das Rumpelstilzchen war nun mal voll in Fahrt. Ich fühlte mich hilflos ausgeliefert: „Zu denen wollte ich doch nie, jammer, schimpf … Mit mir kann man‘s ja machen…!“

In diesem Augenblick endlich kam ich schlagartig zu mir.

Endlich der Aha-Moment: Ich hatte mich wieder ärgern lassen.

Den Satz „Mit mir kann man‘s ja machen …“, den hatte ich doch gerade in meinem Blogartikel benutzt. Um anderen Menschen zu erklären, warum wir bei Ärger in die Luft gehen.

Super. Nun war ich selbst erneut in dieses Muster verfallen:

  • Ich hatte den ganzen Vorgang total negativ bewertet
  • hatte alles persönlich genommen
  • fühlte mich dadurch hilflos und ausgeliefert
  • und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, suchte ich mir eine Mit-Schimpferin, da es so wunderbar guttut, gemeinsam erlittenes Unrecht zu beklagen.

Ich hatte mich wieder ärgern lassen. Kein Wunder, dass ich oben auf meiner Palme herumtobte.

Kennst du das vielleicht auch von dir? Dass du dich riesig über schlechten Kundendienst ärgern kannst? Oder über schwierige Mitmenschen? Dass du dir mit so einer Dröhnung an Ärger vor allen Dingen selbst schadest, brauch ich dir wohl kaum zu sagen.

Mir haben meine eigenen Tipps dann tatsächlich geholfen, mich zu beruhigen. Ich musste mich nur daran erinnern 😉 Wenn du en detail und tiefgehend wissen willst, wie es geht, dann klick mal hier:

  • Sich nicht mehr von schwierigen Menschen ärgern lassen: So geht’s

In dem Artikel findest du gleich mehrere Strategien, um aus dem vertrackten Ärger wieder herauszukommen.

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Oder schau dir folgendes Angebot an:

Ich ärgere mich über mich selbst, Symbolbild: Frau deutet mit dem Zeigefinger strafend auf ihr Spiegelbild

„Ich ärgere mich über mich selbst“: So überwindest du alten Ärger über dich

Gehörst du zu den Menschen, die an altem Ärger über sich selbst festhängen und einfach nicht loslassen können? Du fragst dich immer wieder, wie du es schaffen kannst, dass du dich nicht mehr über lang vergangene Entscheidungen und Handlungen ärgerst? Dann lies hier weiter: Im Blogartikel erfährst du, was hinter dem Ärger über dich steckt und wie du ihn loslassen & überwinden kannst.

„Ich ärgere mich über mich selbst, noch Jahre später“, schrieb meine Leserin

In einem Newsletter habe ich vor kurzem berichtet, wie ich mich vor lauter Enttäuschung über andere ärgere. Daraufhin stellte mir eine Leserin folgende Frage: “Ich ärgere mich nicht so sehr über andere Leute, aber ich kann mich noch Jahre später über mich ärgern. Über Dinge, die ich getan oder die ich entschieden habe. Und dann sitze ich da und kann das nicht loslassen. Könntest du da mal drüber schreiben?”

Diese Frage hat mich mehrere Wochen immer wieder beschäftigt. Deshalb ist der Artikel heute ziemlich lang;. Falls du keine Lust zu lesen hast, hier der Link zu einem 10-minütigen Video, in dem ich das Thema „Ich ärgere über mich selbst“ bespreche.

(Ich bin übrigens total stolz auf mich: Ich habe es geschafft 💪, das Video mit einer Transkriptions-Software in geschriebene Worte umwandeln zu lassen und bin immer noch begeistert über die technischen Möglichkeiten …)

Du weißt vielleicht, ich bekenne mich als Rumpelstilzchen; mehr dazu erfährst du in Umgang mit Ärger und Wut: Meine 4 Ärger-Typen. „Rumpelstilzchen“ heißt, dass ich mich durchaus über mich selbst ärgere. Allerdings nur kurz: Ich sause die Palme hoch und komme schnell wieder runter von der Palme.

Diese Leserin bleibt wohl in ihrem Ärger auf der Palme sitzen.

Warum können wir alten Ärger über uns selbst nicht loslassen?

Was genau steckt denn dahinter, dass wir so sehr an unserem Ärger festhalten? Denn Menschen machen nix ohne Grund?

Wenn eine Person den Ärger nicht loslassen kann, könnte es bedeuten, dass sie nicht zufrieden ist mit dem Ergebnis einer Entscheidung oder Handlung, die sie irgendwann in der Vergangenheit getan hat.

Jetzt müssen wir überlegen: Wie ist diese Entscheidung oder die Handlung damals zustande gekommen? In der Regel passiert das aufgrund von Überlegungen und Beobachtungen.

Manchmal aber auch aus einer blitzschnellen Reaktion heraus. Dann sagen oder tun Menschen etwas – oder manchmal auch nichts. Und das ist dann das Ärgerliche: Sie müssen mit den Folgen dieser Entscheidung oder Handlung leben.

Oft ist das nicht leicht. Manchmal grollst du dir, weil du im Laufe der Zeit neue Informationen erhalten hast. Oder weil du an den Konsequenzen deiner Entscheidung oder Handlung merkst, dass du nicht alle Folgen in ihrer Tragweite bedacht hattest.

Alter Ärger über sich selbst ist wie ein Strafzettel in die Vergangenheit

Wenn jemand jedoch immer wieder zurückschaut und mit seinem Tun hadert, dann sage ich gerne: Das ist so, als ob du mit dem Wissen, welches du inzwischen erlangt hast, einen Strafzettel in die Vergangenheit schickst. So ähnlich, als ob Ordnungsbehörden einen Strafbefehl an alle Kneipen-Raucher in die 80er-Jahre schicken würden. Ein Tatbestand, der damals aber erlaubt war, heute aber verboten ist.

In diesem Fall wäre der Aufschrei groß, und wir alle würden die Ungerechtigkeit erkennen. Beim inneren Geschehen ist das nicht so leicht.

Was genau hinter „Ich ärgere mich über mich selbst“ stecken kann

Jemand kommt einfach nicht über Vergangenes weg und ärgert sich ständig über sich selbst. Warum ist das so?

Meiner Erfahrung nach steckt hinter dem Ärger über sich selbst wahrscheinlich eine andere Emotion. Das habe ich immer wieder bei mir feststellen müssen – und dann auch bei anderen Menschen bemerkt.

Inzwischen frage ich mich, wenn ich mich über mich ärgere: Ist es in Wahrheit nicht so, dass ich mich schäme? Schäme über das, was ich getan, gesagt habe – oder was ich vielleicht vergessen habe zu tun oder zu sagen?

„Ich ärgere mich über mich selbst“ fühlt sich besser an als „Ich schäme mich“

Ganz ehrlich: Schämen ist ein extrem unangenehmes Gefühl. Auch für mich. Deshalb nutze ich (unbewusst) gerne diesen Dreh und gehe lieber in den Ärger als ins Schämen.

Denn im Ärger – der ein Teil der Kampf-Reaktion im Stresserleben ist – werden aktivierende Hormone ausgeschüttet wie Adrenalin und Noradrenalin. Das lässt uns handlungsfähig werden, und wir fühlen uns belebter.

Das ist wesentlich angenehmer als das bescheidene Gefühl der Scham! Ich persönlich habe da immer so ein Wurmgefühl und würde vor Scham am liebsten im Boden versinken. Das will ich nicht spüren!

Bevor ich mich also schäme und winde, falle ich lieber in so einen schönen heißer Wutanfall …

… weil es in meiner Macht steht!

In der E-Mail der Leserin, von der ich oben gesprochen habe, ging es dann weiter: „Äußere Umstände, was andere tun oder lassen, das kann ich relativ gleichmütig ertragen, weil es nicht in meiner Macht steht, dies zu ändern. Aber bei allem, was mich selber betrifft, ärgere ich mir noch Jahre später ein Loch in den Bauch.“

Was passiert hier eigentlich? Da kann jemand nicht loslassen. Da bekriegt sich jemand und packt all das, was in ihren oder in seinen Augen falsch entschieden wurde, in einen großen Koffer hinein. Und schleppt diesen Koffer immer mit sich. Noch Jahre später.

Die ganze Zeit ist ein Teil der Persönlichkeit damit beschäftigt, sich selbst diese alten Geschichten nachzutragen: „Ich hätte es anders machen müssen…!“

Dadurch ist jedoch ein großer Teil der psychischen Energie besetzt und steht nicht zur Verfügung, um im Heute, im Hier und Jetzt zu leben – und etwas zu ändern.

Wie du besser mit dem „Ich ärgere mich über mich selbst“ umgehst und alten Ärger loslässt

Es gibt eine bessere Umgangsweise, um mit dem alten Ärger über sich selbst umzugehen. Nämlich anzuerkennen: Was geschehen ist, ist geschehen!

Sich selbst zu sagen: „Damals hatte ich Gründe, mich so entschieden zu haben, so gehandelt zu haben. Damals wusste ich es nicht besser, konnte es nicht besser. Es ist geschehen und es hat mich in diesen Moment gebracht, ins Heute, Hier und Jetzt.“

Wenn ich diesen Blickwinkel einnehme, kann ich mir im Heute, Hier und Jetzt anschauen: „Was gefällt mir denn in meinem Leben nicht? In welcher Situation bin ich heute?“ Und vielleicht feststellen: „Da will ich gar nicht sein!“

Dann kann die alte Entscheidung ein Ausgangspunkt für Veränderung sein. Statt wieder den Blick in die Vergangenheit zu richten – sozusagen die verschüttete Milch zu beklagen, die wir nicht mehr einsammeln können – können wir überlegen: „Gut, die Gegenwart gefällt mir nicht. Wie soll denn meine Zukunft sein?“

Statt im alten Ärger zu bleiben: Wie wäre es denn schön – wie soll meine Zukunft sein?

Manchmal fällt es Menschen schwer, sich ein positives Bild für ihre Zukunft zu erschaffen. Denn vielleicht sind im Lauf des Lebens so viele Enttäuschungen passiert, dass man sich gar nicht mehr traut, sich etwas Schönes vorzustellen.

Oder schlimmer: Die Fähigkeit zu spüren, was man wirklich will, ist vor lauter Nachtragen und Ärgern verschüttet gegangen.

Denn was ich wirklich will, das spüre ich nur in positiven Gefühlen!

Wenn ich jedoch ständig hadere, wenn ich mich über mich ärgere, mir grolle, nachtragend bin, dann komme ich nicht dahin zu spüren: Was würde mir denn Freude machen? Wann wäre es denn schön?

Solange dieser „Fehler-Zoom“ im Gehirn eingeschaltet ist, aktiviert durch die schlechten Gefühle, die ich habe, kann ich nur das sehen, was in irgendeiner Art gefährlich ist.

Raus aus dem alten Ärger: Mit Schildkröten-Trippelschritten!

Wie kommen ich nun heraus aus dem ständigen „Ich ärgere mich über mich selbst?“ Wie schaffe ich es, nicht mehr nur in die Vergangenheit zu schauen, sondern herauszufinden, was ich JETZT in meiner Gegenwart brauche und will? Wie komme ich von diesem Punkt, an dem ich gerade bin, dahin, wo ich hinmöchte?

Ganz ehrlich: Das ist nicht ganz einfach. Da braucht man manchmal die Hilfe einer Freundin oder eines Freundes; vielleicht sogar von einem Profi wie einem Coach.

Mein Tipp: Überlege dir, was denn der erste winzig kleine Schildkröten-Trippelschritt wäre, den du in diese Richtung machen könntest?

Denn wenn du den Weg aus dem Ärger über dich selbst in kleinste Schritte herunterbrichst, dann sagt selbst der enttäuschte Teil in dir: „Oh, das ist so klein, das schaff ich!“

Und wenn du diesen ersten Trippel-Schritt getan hast, dann kannst du dir überlegen: „Okay, und wie geht es jetzt weiter in die Richtung meines Ziels?“

Mach denn den nächsten klitzekleinen Schritt, und dann noch einen. Auch hier brauchen wir manchmal Unterstützung von Menschen, die nicht in unserem Problem kleben.

Was auf alle Fälle notwendig ist: anders mit sich umzugehen. Mit Selbstmitgefühl!

Mach dir klar: Du triffst und trafst Entscheidungen nicht aus Jux und Tollerei oder weil du blöd bist. Sondern du triffst sie aus dem Werkzeugkoffer heraus, den du dir in deinem Leben zugelegt hast.

Manchmal brauchen wir jedoch Werkzeuge, die wir noch nicht erlangt haben. Und dann brauchen wir die Zuversicht, dass wir sie erlernen können. (Pssst, gute Nachrichten: die Hirnforschung sagt, dass wir das alle können 😉!)

Mein persönlicher Mindset-Tipp für weniger Ärger über mich selbst

Mein persönlicher Tipp, damit ich mich nicht ständig über mich ärgere: Ich habe aufgehört zu glauben und mir zu sagen, dass ich Dinge falsch mache, dass ich Fehler mache. Ich mache keine Fehler mehr!

Was ich allerdings häufig mache, sind Dinge, die mich nicht dahin bringen, wo ich hinmöchte. Ich sage oder tue etwas, mit dem ich meine Ziele nicht erreiche.

Seitdem werte ich mich nicht mehr mit Gedanken ab wie „Alles falsch gemacht, Fehler gemacht, ich habe wieder mal versagt…“ abwerte. Sondern ich denke mir: „Ah, so hat es noch nicht funktioniert“. So fällt es mir viel leichter, etwas anderes auszuprobieren, weiterzumachen und meine Ziele zu erreichen.

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