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Carmen Reuter stützt den Kopf in die Hände und schaut frustriert

Perfektionisten können kein Nein sagen – warum Techniken hier nicht helfen

Es gab in meiner Familie eine eiserne Regel. Kaum einer sprach sie aus, aber sie hing über allem. Sie lautete: Mach es richtig oder gar nicht.

Eine gute Regel, ehrlich. Sie führt zu Erfolg. Sie hat mich weit gebracht. Doch sie hat einen Haken, den ich erst auf meiner 1. Fortbildung in den USA bemerkt habe.
Meine Kollegin und ich kamen abends mit Verspätung am Seminarort an: statt freudigem Empfang glich das Zentrum einem aufgescheuchten Bienenstock. Nach einem akuten Notfall mit vermisster Person, hatte der Sheriff eine Suchaktion angeordnet, die die ganze Tagungsleitung mit einbezogen hatte.

Die einzige Kursteilnehmerin, die noch direkt vor Ort war, begrüßte uns mit einem müden Hallo und überließ uns uns selbst.
Irritierend, nein, sogar frustrierend. Irgendwann fiel mir auf, dass ich kurz angebunden reagierte, ja rigide, kurz vor aggressivem Austeilen. So gar nicht ich selbst, am Anfang einer Weiterbildung, auf die ich mich monatelang gefreut hatte.

Dann wurde mir plötzlich klar, was los war: Ich wusste nicht, was richtig war: befand mich auf völlig ungewohntem Spielfeld mit unbekannten Regeln. Und ich wollte mich doch richtig verhalten. Einen guten Eindruck machen.

In diesem Moment ist mir etwas aufgegangen, das ich seitdem in fast jedem Coaching wiederfinde. „Richtig“ ist immer etwas, das von außen bestimmt wird. Es enthält eine Bewertung, die irgendjemand, irgendwann bestimmt hat: damit auch die Möglichkeit von Fehler, von Versagen, von nicht-geschafft.

Perfektionisten können kein Nein sagen, und das liegt nicht an fehlender Kommunikations-Technik. Es liegt an dieser Angst vor der Bewertung, die sie überallhin mitnehmen. Darum geht es hier.

Das Wichtigste in Kürze

Perfektionismus ist nicht dasselbe wie Akribie. Das Streben nach Qualität ist einfach das Streben nach Qualität. Der (negative) Perfektionismus bedeutet: Der Selbstwert hängt am Ergebnis.

Wer seinen Wert über Leistung definiert, erlebt ein Nein nicht als Grenze, sondern als Beweis, nicht genug zu leisten. Ein Nein fühlt sich nicht nach Abgrenzung an, sondern nach Versagen.

Bei Frauen kommt eine zweite Anforderung dazu. Nicht höherer Perfektionismus, da findet die Forschung kaum Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Aber ein zusätzlicher Anspruch an die Beziehung: Alle sollen zufrieden sein. Und zwar mühelos.

Deshalb greifen Nein-sag-Techniken bei Perfektionistinnen nicht. Sie setzen am Verhalten an. Das Problem sitzt aber im Selbstbild.

Der Ausweg beginnt nicht bei besseren Formulierungen, sondern bei der Entkopplung von Wert und Leistung.

Was Perfektionismus wirklich ist – und was nicht

Ich schaue zurzeit gerne „Das große Backen – Die Profis“. Atemberaubend, was die unter Zeitdruck herstellen sollen. Zwanzig Törtchen, die alle gleich auszusehen haben. Top-Qualität, Höchstmaß an Akribie.

Mir bleibt da meistens die Spucke weg. Wenn sie mir vorher nicht im Mund zusammengelaufen ist, wegen all der Leckereien 😉.

Mit meiner langjährigen Erfahrung als genesen(d)e Perfektionistin konnte ich sofort die zwei identifizieren, die in der Perfektionsfalle sitzen. Von den acht Bäckerinnen und Bäckern strebten sechs danach, beste Leistungen abzuliefern und sich im Wettbewerb durchzusetzen.

Das wollen die Perfektionisten natürlich auch. Doch sie gehen anders an Aufgaben heran und anders mit ihnen um.

Was Perfektionisten ausmacht: Sie haben ihren Selbstwert an das Ergebnis einer Aufgabe gekoppelt.

Das ist der ganze Unterschied – leider folgenreich.

Denn wer den eigenen Wert am Ergebnis festmacht, reagiert viel empfindlicher auf Kritik. Das war bei einem der Bäcker gut zu sehen, der schnell ausgeschieden ist. So sehr er sich zusammenriss, man sah, dass ihn das Ausscheiden zutiefst getroffen hatte. Wenn der eigene Selbstwert am Ergebnis hängt, bekommt das eine Schwere (und Dramatik), die weit über die Teilnahme an einem Wettkampf hinausgeht.

In meinen besten Perfektionistenzeiten konnte ich mich tagelang geißeln, wenn ein Ergebnis nicht meinen Erwartungen entsprach. Es war dann nicht nur etwas, was nicht geklappt hatte. Sondern ich wertete mich innerlich ab, hatte keine Gnade mit mir und setzte mir für das nächste Mal noch höhere Ziele, für die ich mich unbarmherzig antrieb.

Das Credo der Perfektionisten lautet: „Ich bin, was ich leiste und wie gut ich es leiste.“

Das führt auf Dauer zu Erschöpfung und ist definitiv ein Scheunentor in den Burnout.
Die Forschung sieht das übrigens ähnlich differenziert. Man unterscheidet dort seit über dreißig Jahren zwei Seiten: das Streben nach hohen Standards und die Sorgen um Fehler, Bewertung und Nicht-Genügen.

Eine Metaanalyse von Andrew Hill und Thomas Curran mit 43 Studien und knapp 10.000 Menschen zeigt: Das hohe Streben allein hängt schwach negativ mit Burnout zusammen. Die Sorgen hängen deutlich positiv damit zusammen.

Anders gesagt: Nicht der Anspruch macht krank. Sondern die Angst, an ihm zu scheitern.

Warum sich ein Nein für Perfektionistinnen nicht nach Grenze setzen anfühlt

Wenn dein Wert am Ergebnis hängt, dann bedeutet jede neue Aufgabe: Du musst dich wieder beweisen. Nicht einmal. Jedes Mal.

Ich habe das mal so formuliert: Wenn jede neue Aufgabe bedeutet, den eigenen Selbstwert wieder unter Beweis stellen zu müssen, dann kostet jede neue Aufgabe einfach viel mehr Überwindungs-Energie überhaupt zu starten.

Und ein Nein?

Ein Nein ist die eine Sache, die du nicht lieferst.
Es ist kein neutraler Satz. Es ist keine Terminfrage. Es ist ein Beleg, in deiner eigenen inneren Buchführung, dass du diesmal nicht genug warst:
Nicht schnell genug. Nicht belastbar genug. Nicht die, auf die man sich verlassen kann.

Die innere Gleichung sieht so aus:

Nein = ich liefere nicht = ich bin nicht genug.

Deshalb sagst du Ja, obwohl dein Kalender schon lange überquillt. Deshalb bereitest du dich sonntags auf Montag und die Woche vor, statt dich zu regenerieren. Deshalb liest du Gesetzestexte am Wochenende, damit du am Dienstag jede Frage sicher beantworten kannst.

Nicht weil du keine Grenzen kennst. Sondern weil eine Grenze dich etwas kostet, das andere nicht bezahlen müssen: ein Stück von dem, was du glaubst zu sein.

Der Unterschied, den kaum jemand benennt

In den Durchschnittswerten unterscheiden sich Männer und Frauen beim Perfektionismus kaum. So fasst es der aktuelle Überblicksartikel der Gruppe um Paul Hewitt und Gordon Flett zusammen, die dieses Feld seit den Neunzigern prägt. In einzelnen Bereichen gibt es Abweichungen, und die Forschenden sagen selbst, dass hier noch Fragen offen sind. Aber das große Bild ist: Der Anspruch ist derselbe.

Nur ist er bei Frauen immer geprägt mit dem: schaff alles, mach es allen recht, sorge dafür, dass alle glücklich sind – und das bitte mit der größten Leichtigkeit.

Das müssen Männer nicht. Bei denen darf es auch schwer aussehen.

Zwei Psychologinnen haben für dieses Muster einen Namen gefunden, und ich finde ihn treffend. Vicki Helgeson und Heidi Fritz nennen es unmitigated communion, auf Deutsch etwa: für alle da sein und sich selbst dabei rausrechnen.

Ihr Befund: Frauen zeigen dieses Muster deutlich häufiger, und es macht auf Dauer traurig. Und jetzt kommt das Entscheidende. Nicht „weiblich sein“ macht das. Sondern genau dieses Sich-selbst-Weglassen.

Der Unterschied liegt also nicht im Anspruch an die Leistung. Er liegt im Anspruch an die Beziehung.

Und deshalb verletzt ein Nein bei Frauen zwei Dinge gleichzeitig. Es verletzt den Leistungsanspruch: ich habe nicht geliefert. Und es verletzt den Beziehungsanspruch: jetzt ist jemand unzufrieden mit mir. Kein Wunder, dass „Sag doch einfach Nein“ nicht funktioniert.

Woher die Gleichung kommt

Niemand wacht eines Morgens auf und beschließt, den eigenen Wert an Leistung zu koppeln. Das wird aufgebaut über Jahre. Meistens von Menschen, die es (irgendwie) gut meinten.

Es fängt oft mit Kritik an, die eigentlich anspornen soll. In meinen Kursen höre ich solche Sätze regelmäßig, und sie ähneln sich erstaunlich:

  • „Wie, du hast nur die Note Zwei? Es gab doch auch einen Einser. Warum bist du da nicht auch dabei?“
  • „Noch eine Vier und ich stecke dich auf die Hauptschule!“

Eine Teilnehmerin hat mir ihren daraus entstandenen inneren Kernsatz aufgeschrieben. Er lautet: „Mach ja keinen Fehler, sonst passiert etwas ganz Schlimmes.“
Sie ist längst erwachsen und leitet heute ein Team. Der Satz arbeitet immer noch.

Die Familientherapeutin Virginia Satir hat das schon in den Sechzigerjahren beschrieben. Sie nannte Familienregeln „Shoulds“ und Überlebensüberzeugungen: Maßstäbe, an denen sich entscheidet, ob man die Zustimmung der eigenen Familie bekommt. Regeln, die die Freiheit einschränken, sich zu zeigen, senken nach Satirs Beobachtung den Selbstwert. (Nachzulesen in ihrem Klassiker Conjoint Family Therapy, 1964.)

Überlebensüberzeugungen. Ich finde das Wort sehr genau. Denn genau so fühlt es sich später an: nicht wie eine Vorliebe, sondern wie eine Bedingung.
Was auch dazugehört: In Familien, in denen alle Angst haben, kritisiert zu werden, versuchen alle, es perfekt hinzukriegen. Auf irgendeine Art. Weil das nicht geht, scheitern alle permanent an diesem Anspruch.
Um der drohenden Kritik zu entgehen, kommt es dann zu einem Wettlauf. Wer als Erstes die anderen kritisiert, ist vor der Kritik von ihnen sicher.

Übrigens nimmt dieses Muster zu. Curran und Hill haben in einer Metaanalyse mit über 41.000 Studierenden gezeigt, dass Perfektionismus zwischen 1989 und 2016 messbar angestiegen ist. Am stärksten die Form, bei der Menschen glauben, andere erwarteten Perfektion von ihnen. Um 32 Prozent!

Wie dieser Anstieg zu erklären ist, wird in der Fachwelt diskutiert, und die Daten stammen aus dem angloamerikanischen Raum. Aber die Richtung ist eindeutig. Wir werden nicht entspannter. Wir werden anspruchsvoller mit uns.
Die sogenannten sozialen Medien haben da natürlich keinen Einfluss, oder?

Wie sich das im Alltag zeigt

Wenn ich mit Frauen arbeite, die in dieser Falle sitzen, klingt es selten dramatisch. Es klingt vernünftig. Das ist das Tückische daran.

  • Du schiebst auf, statt anzufangen. Manche Menschen gehen in die Aufschieberitis und wagen sich nicht mehr an neue Aufgaben. Das sieht von außen aus wie Faulheit. Von innen ist es das Gegenteil: die Angst, es nicht perfekt zu können. Und wer nicht anfängt, kann nicht scheitern.
  • Du hakst ab, statt dich zu freuen. Viele Perfektionisten können sich noch nicht einmal über einen Erfolg freuen. Kaum ist ein Ziel erreicht, geht es schon weiter. Am Horizont erscheint sofort die nächste Aufgabe, in der du dich wieder beweisen musst.
  • Die Ziellinie verschiebt sich. Du kommst endlich durch die stressige Phase, und dein Gehirn findet die nächste. Du erreichst das, von dem du dachtest, es würde dich endlich ankommen lassen, und ein paar Tage später sagt dein Kopf: „Okay, und was kommt jetzt?“
  • In der Regel ist dieses Ziel auch noch herausfordernder. Die Messlatte ist wieder um einige Zentimeter nach oben gehängt.

Der Psychologe E. Tory Higgins hat dafür ein Modell beschrieben, das ich sehr hilfreich finde. Wir tragen mehrere Versionen von uns im Kopf herum.

Da ist das tatsächliche Selbst: wer wir glauben zu sein.

Das ideale Selbst: wer wir gern wären.

Und das Soll-Selbst: wer wir glauben, sein zu müssen, aufgrund von Erwartungen, Verpflichtungen, Familie, Kultur.

Der Schmerz entsteht in der Lücke zwischen diesen Selbsten. Und wer in einem Umfeld aufgewachsen ist, in dem Leistung, Verantwortung und Pflegeleichtsein gelobt wurden, bei dem wird das Soll-Selbst sehr laut.

Außerdem gibt es noch die Variante, die mir eine Teilnehmerin so präzise aufgeschrieben hat, dass ich sie fast wörtlich weitergebe:

„Mein Problem ist, dass ich hohe Ansprüche an mich selbst habe, die ich aber nicht erfüllen kann. Im Gegenteil: Durch die hohen Ansprüche setze ich öfters falsche Prioritäten, beziehungsweise es erscheint alles wichtig und soll alles perfekt werden. Weil es dann aber zu viel zu bedenken gibt und es zu Zeitdruck kommt, bin ich eher unkonzentriert und es unterlaufen mir öfters Leichtsinnsfehler, die mich als Perfektionistin den Kopf über mich selbst schütteln lassen.“

Lies das noch mal in Ruhe. Das ist ein geschlossener Kreis. Der Anspruch erzeugt den Druck, der Druck erzeugt die Fehler, die Fehler erzeugen die Selbstkritik. Und die Selbstkritik erhöht den Anspruch.
Da kommst du mit einer besseren Nein-Formulierung nicht raus.

Die erschöpfte Superheldin

Es gibt ein Bild, das in meiner Coaching-Arbeit mit dem „Internal Family System“ (IFS von Richard Schwartz) auftaucht, und ich habe selten erlebt, dass etwas so schnell ein Aha auslöst.

Außer den weitläufig bekannten inneren Antreibern wie der ‚Inneren Richterin‘ oder dem ‚Druckmacher‘ gibt es auch ‚die Superheldin‘: Zuverlässig. Belastbar. Immer im Einsatz. Unverletzbar und mit nicht endender Energie.

Was ich in den letzten Monaten von Frauen gehört habe, die diesen Anteil in sich erkennen konnten:

  • „Als Superheldin rette ich die Welt, aber nicht mich selbst.“
  • „Meine Superheldin ist schon ganz ausgemergelt.“
  • „Sie hatte nicht nur ein Kostüm, sondern verschiedene Outfits und musste sich vor jedem Auftrag noch extra umziehen. Turbostress.“
  • „Sie trägt gefühlt die Last der Welt auf ihren Schultern, ist erschöpft und mag lieber und endlich mal Ruhe haben.“

Eine Frau schrieb mir danach nur einen Satz: „Ich habe geheult und war total erleichtert.“

Und eine andere sagte in einer Kurs-Session etwas, das mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf geht:

„Ich habe gedacht, dieses Verhalten von der Superheldin, das wäre das Normale und ich müsste das so machen. Das ist jetzt zum ersten Mal, dass ich den Gedanken habe, dass das vielleicht gar nicht stimmt.“

In dem Moment hört das Ganze auf, ein Verhaltensproblem zu sein. Und wird erkannt als das, was es die ganze Zeit war: ein Selbstbild-Problem.

Du kämpfst nicht gegen einen vollen Kalender. Du kämpfst gegen eine Vorstellung davon, wer du bist.

Warum die üblichen Ratgeber bei dir nicht greifen

Jetzt meine Meinung zum Ganzen und ich weiß, dass sie unbequem ist.

Der Markt für „Nein sagen lernen“ ist riesig. Und er liefert fast ausschließlich eines: Formulierungen. Fünf Schritte. Zehn Sätze für schwierige Situationen. Skripte für das Gespräch mit dem Chef.

Das ist nicht falsch. Es ist nur für jemand anderen gemacht. (Wobei du sie vielleicht auch mal brauchen kannst).

Diese Ratgeber helfen einer Frau, die eigentlich weiß, was sie will, und nur die richtigen Worte sucht. Sie helfen nicht der Frau, für die ein Nein bedeutet, dass sie nicht mehr die ist, für die sie sich hält.

„Grenzen setzen ist so furchtbar anstrengend“, stöhnte Isabelle bei einem meiner Workshops. Und dann: „Ich kann es zwar … doch immer wieder, das habe ich satt.“

Sie kann es. Das ist der Punkt. Die Technik ist nicht das Problem.

Was passiert nämlich, wenn du dich anders verhältst? Die anderen sagen: „Du bist so anders.“ Und meinen damit: irgendwie falsch. Wenn du mal Nein sagst und auf einmal nicht mehr die Freundliche, Hilfsbereite, Empathische bist, dann wird es echt schwer für dich, Grenzen zu ziehen.
Wer bist du denn dann? Die Unhöfliche? Die Ruppige? Auf alle Fälle egoistisch?

Das ist ein gewaltiger Manipulations-Hebel. Denn wenn deine ganze Identität infrage gestellt wird, rutschst du blitzschnell ins Rechtfertigen. Obwohl es dein gutes Recht ist, dein Leben so zu gestalten, wie du es möchtest.
Solange du glaubst, dein Wert entscheide sich an dem, was du lieferst, wird jede Technik zur Fassade. Du sagst Nein und zahlst es innerlich in einer Währung zurück, die niemand sieht.

  • Mit Grübeln.
  • Mit Wiedergutmachung.
  • Mit dem nächsten Ja, das eigentlich ein Nein war.

Was sich verändern muss: die Identitätsebene

Ich sage in Coachings gern einen Satz, der die Leute zuerst irritiert:

Bitte schmeiß den Gedanken „Ich bin halt so“ auf den Sperrmüll.

Wenn du glaubst, du bist so, dann stimmt das in der Regel nicht. Denk mal bitte anders und sage: Ich verhalte mich so.

Das klingt nach Wortklauberei. Ist es nicht. „Ich bin so“ ist ein Urteil und endgültig.
„Ich verhalte mich so“ ist eine Beobachtung. Verhalten und alles, was ich mir angewöhnt habe, kann ich mir auch wieder abgewöhnen.

Jetzt stell dir bitte Folgendes vor: Ich hielte hier einen 100-Euro-Schein in der Hand. Ich knülle ihn zusammen. Ich werfe ihn in den Dreck, in eine Pfütze. Ich stampfe mit den Füßen darauf herum.

Würdest du sagen, dieser Hunderter hat seinen Wert verloren?

Nein. Da ist es uns völlig klar.

Dein Wert ist genauso wenig verhandelbar. Er war 100 (von 100 %). Er ist 100. Er bleibt 100. Ob du etwas in den Sand setzt oder den Nobelpreis gewinnst: Dein Wert ändert sich nicht.

Ich weiß, was jetzt kommt. Ich kenne den Einwand, weil ich ihn selbst jahrelang hatte: Das geht doch gar nicht. Hundert, das ist doch arrogant. Das ist anmaßend.

Ist es nicht. Anmaßend wäre, zu behaupten, du seist mehr wert als andere. Hier geht es nur darum, dass du nicht weniger bist. Und dass sich das nicht jeden Tag neu entscheidet.

Wenn diese eine gedankliche Einstellung wirklich integriert wird, nicht allein im Kopf, sondern eine echte Erkenntnis mit Herz und Hirn wird, dann verändert sich das Nein von allein.
Denn ein Nein kostet dann nichts mehr. Es ist keine Abrechnung mehr über deinen Wert. Es ist nur noch eine Information darüber, was gerade in dein Leben passt und was nicht.

Ich sage übrigens gerne, dass wir alle mWiAs sind: menschliche Wesen in Ausbildung. Mit dieser inneren Haltung sind wir gegen die negativen Auswirkungen der Perfektionsfalle geschützt. Wir dürfen Enttäuschung und Frustration fühlen. Wir müssen uns dafür nur nicht bestrafen.

Erste Schritte aus der Perfektionsfalle

Ich halte sie bewusst klein. Nicht, weil ich dir wenig zutraue, sondern weil große Vorsätze bei Perfektionistinnen zuverlässig zu neuem Druck führen. Du kennst das.

1. Mach deinen Regel-TÜV. Welche Sätze steuern dich, die niemand je überprüft hat? Bei mir war es „Mach es richtig oder gar nicht“. Ich habe die Regel damals ersetzt durch: „Ich mache es mit ganzem Herzen und ganzem Hirn.“

Der Unterschied ist nicht kosmetisch. Mit dieser Formulierung liegt die Bewertungshoheit wieder bei mir. Ich entscheide, wann gut „gut genug“ ist. Ich lege meinen eigenen Maßstab an.

Und ja, es kann gut sein, dass auch meine neue Regel irgendwann nicht mehr trägt. Dann kommt sie wieder auf den Prüfstand.

2. Entscheide dich an genau einer Stelle für „gut genug“. Nicht überall. An einer Stelle. Such dir einen kleinen, unbedeutenden Bereich aus: die Mail, die nicht dreimal gelesen wird. Der Kuchen, der gekauft ist, statt selbstgebacken. Die Präsentation, die bei Version zwei bleibt.

Dann feiere das: ausdrücklich. Perfektionistinnen haben es sich abgewöhnt zu feiern, deshalb steht das hier als eigener Punkt.

3. Trenne Verhalten von Identität. Wenn das nächste Mal jemand sagt: „Du bist so anders geworden“, übersetze es innerlich. Mein Verhalten ist anders geworden. Ich bin dieselbe. Du kannst freundlich Nein sagen. Du kannst deine Hilfe an Bedingungen knüpfen. Ohne dass du dadurch ein Unmensch wirst.

4. Erwarte die Unruhe und deute sie richtig. Das ist der Punkt, an dem die meisten aufgeben. Wenn du anfängst, Grenzen zu setzen, wird es sich zuerst falscher anfühlen, nicht besser. Da meldet sich das alte Selbstbild.

Eine Tasse mit Tee steht neben einem Blatt und einem Kugelschreiber. Auf dem Blatt steht: „I am a recovering perfectionist.“

Diese Unruhe ist kein Beweis, dass du etwas falsch machst. Sie ist der Beweis, dass sich etwas bewegt.

Der Weg aus der Perfektionsfalle ist ein Weg. Deshalb sage ich inzwischen über mich selbst:

„Ich bin eine genesen(d)e Perfektionistin.“

Sozusagen Work in Progress.

Häufige Fragen

Ist Perfektionismus nicht auch etwas Gutes?

Der Anspruch, gute Arbeit zu machen, ist wunderbar. Und er ist nicht dasselbe wie Perfektionismus. Das Streben nach Qualität ist einfach das Streben nach Qualität. Perfektionismus beginnt dort, wo dein Wert am Ergebnis hängt. Die Forschung sieht das ähnlich: Hohe Standards hängen eher nicht mit Burnout zusammen, die Sorge um Fehler und Bewertung dafür deutlich. Du darfst also anspruchsvoll bleiben. Du darfst nur aufhören, dich selbst mitzubewerten.

Woran erkenne ich, ob ich Perfektionistin bin oder einfach hohe Ansprüche habe?

An deiner Reaktion auf Kritik und auf Fehler. Wenn eine misslungene Aufgabe für dich eine misslungene Aufgabe ist, hast du hohe Ansprüche. Wenn eine misslungene Aufgabe bedeutet, dass mit dir etwas nicht stimmt, sitzt du in der Perfektionsfalle.
Ein zweiter Hinweis: Kannst du dich über Erfolge freuen? Oder hakst du sie ab und schaust sofort auf das Nächste?

Warum fällt mir Nein sagen im Job leichter als in der Familie – oder umgekehrt?

Weil dein Selbstbild nicht in allen Rollen gleich stark an Leistung hängt. Ich hatte eine Teilnehmerin, Fachkraft in einer Klinik, die ihrem Chefarzt nichts entgegenzusetzen hatte. Aber eine Grenze hielt sie unerschütterlich: „Ich gehe um 15 Uhr meine Kinder abholen.“ Für die Kinder konnte sie Nein sagen. Für sich selbst nicht. Schau dir an, für wen du Grenzen halten kannst. Da liegt oft der Schlüssel.

Kann man Perfektionismus überhaupt ablegen?

Ablegen ist das falsche Wort, und ich möchte dir nichts versprechen, was ich nicht halten kann. Ich nenne mich seit Jahren genesende Perfektionistin, und das ist bewusst gewählt. Das Muster verschwindet nicht. Es verliert seine Macht. Es meldet sich noch, aber es entscheidet nicht mehr.

Hängt Perfektionismus wirklich mit Burnout zusammen?

Ja, und der Zusammenhang ist gut untersucht. Entscheidend ist, welche Seite des Perfektionismus gemeint ist: nicht die hohen Standards, sondern die Sorgen um Fehler und Bewertung hängen eng mit Erschöpfung zusammen. Der Ehrlichkeit halber: Die Forschung zeigt Zusammenhänge, keine Ursache-Wirkung-Kette. Aber die Richtung ist deutlich, und sie deckt sich mit dem, was ich in meiner Praxis sehe.

Was mache ich, wenn mein Umfeld auf meine Grenzen sauer reagiert?

Damit ist zu rechnen, und es ist kein Zeichen, dass du etwas falsch machst. Menschen haben sich an eine Version von dir gewöhnt. Hilfreich finde ich die Herkunft des Wortes Enttäuschung: Da wird jemandem eine Täuschung weggenommen, der Vorhang wird weggezogen. In diesem Fall die Täuschung, dass man mit dir alles machen kann. Und noch etwas: Du bist nicht dafür verantwortlich, wenn jemand enttäuscht ist. Das ist ihre oder seine Baustelle.

Wenn du an der Wurzel ansetzen willst

Wenn du bis hierher gelesen hast, kennst du das Muster wahrscheinlich von innen. Und du weißt auch: Ein Blogartikel verändert kein Selbstbild, das über Jahrzehnte gebaut wurde.

Genau dafür habe ich meinen Selbstlernkurs „Nein sagen – ohne Schuldgefühle!“ entwickelt. Er ist keine Sammlung von Formulierungen. Es geht um die Ebene darunter: um deine inneren Antreiber, um dein Nervensystem und um das Selbstbild, das dein Nein bisher so teuer gemacht hat. Du arbeitest in deinem Tempo, in deinem Alltag.

→ Hier findest du alle Informationen zum Kurs

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Zu hohe Ansprüche an sich selbst? Das Diktat des Perfekt-sein-Müssens

Denk bitte kurz zurück an die Corona-Zeit: Damals war Schluss mit der Eitelkeit und zu hohen Ansprüchen an sich selbst – weil wir sie nicht erfüllen konnten. Der Friseur hatte geschlossen, die Frisur geriet außer Rand und Band, wir trugen Gesichtsmasken, wenn wir außer Haus gingen, und Jogginghosen, wenn wir im Home-Office arbeiteten. Wie hast du dich damit gefühlt? Warst du vielleicht sogar ein wenig erleichtert?

Haben wir zu hohe Ansprüche an uns selbst?

Die Ansprüche an uns selbst sind hoch. Wir wenden in unserer Kultur unglaublich viel Zeit, Geld und Energie auf, um nach außen ein perfektes Bild abzugeben.

Zum Beispiel vernachlässigen viele von uns die Lebensfreude unter dem Diktat, schlank zu sein. So, als ob das Körpergewicht die ultimative Aussage sowohl über den Gesundheits- wie auch den Geisteszustand sei.

In den letzten Jahren habe ich im Coaching immer wieder Aussagen gehört, die mich ungläubig und erstaunt zurückließen.

Da sagte eine in ihrem Beruf äußerst erfolgreiche Frau, als ich sie nach ihren Erfolgen fragte, nach einer langen Pause: „Dass ich an meinem 50. Geburtstag wieder 50 Kilo wog.“ Eine andere sagte: „Ich gehe immer hungrig ins Bett.“

Wie bitte? Das sollte doch nicht sein!

Der Druck der hohen Ansprüche an sich selbst: Arbeiten bis zum Umfallen und Burnout.

Wir beschäftigen uns permanent mit Äußerlichkeiten, eben weil sie sichtbar sind. In unserer Gesellschaft hat es immer schon dazu gehört, dass bewertet und vermessen wurde. Früher war der sozialen Stand der Maßstab. Und heute?

Heute gilt: Zeige dich!

Doch diese Sichtbarkeit lädt wieder zu Kritik ein. Und weil wir uns vor dieser fürchten, legen wir noch mehr Energie in die Sisyphos-Aufgabe, perfekt zu sein. Schrauben unsere Ansprüche an uns selbst noch höher. Nicht nur im Aussehen, sondern bei allem, was wir tun.

Und werden dabei unglücklich und krank. Wir zeigen der Welt in all den Bildern in den sozialen Medien unser perfektes Leben: immer lächelnd, immer gutgelaunt, immer aufgeräumt. Und verstecken – auch vor uns selbst – unsere Menschlichkeit.

Fehler passieren – und machen uns menschlich!

Ich selbst bin das beste Beispiel dafür, dass zu hohe Ansprüche an sich selbst uns Stress machen. Als ich angefangen habe, Vorträge zu halten, wollte ich es richtig und perfekt machen. Das hat unglaublich viel Energie gekostet.

Doch immer wieder ist es passiert, dass ich – trotz bester Vorbereitung – hängen geblieben bin oder den roten Faden verloren habe, oder dass die Technik nicht geklappt hat.

Wurde ich dafür vom Publikum abgestraft? Nein, denn Dinge können nun mal danebengehen. Allezeit und immer wieder. Die Hoppalas bei den Vorträgen, die Fehler, haben mich menschlich gemacht, nahbar. Für mich als genesende Perfektionismus war das eine Riesenerfahrung.

Was ich daraus gelernt habe: Das Streben nach Qualität: wunderbar. Der perfektionistische Versuch, alles richtig zu machen? Ein Irrweg, der Leid erzeugt.

Der, die, das Perfekte wird zwar bewundert – aber, nicht geliebt!

Gestatten wir uns doch, unsere Menschlichkeit zu zeigen – statt uns von zu hohen Ansprüchen fertig machen zu lassen!

Wir könnten uns nun fragen:

  • Wie soll es weitergehen?
  • Wie wollen wir leben?
  • Wollen wir weiter nur auf Äußerlichkeiten achten? Und ein möglichst perfektes Bild abliefern?

Mein Gegenmittel gegen zu hohe Ansprüche: Zeigen wir doch unsere Menschlichkeit. Mitsamt unseren Fehlern!

Ich habe gerade von den strengen Anstandsregeln im viktorianischen England gelesen, wo eine Lady nur als Lady galt, wenn sie ihre negativen Gefühle sorgfältig verbergen konnte. Heute schütteln wir den Kopf darüber. Und über die körperliche Prüderie, die im viktorianischen England herrschte.

Doch wie prüde sind wir selbst, wenn es um Emotionen wie zum Beispiel Scham und Verletzlichkeit geht? Da halten wir uns gerne bedeckt.

Hier können wir ansetzen. Wir könnten lernen, aufrichtiger zu sein. Die soziale Maske des „Klar, geht es mir gut“ ab und an zu lüften.

Zum Beispiel auf die Frage „Wie geht es dir?“ ehrlich antworten: „Nicht gut, im Moment treiben mich viele Ängste um.“ Anstatt zu beteuern, dass alles in Ordnung ist.

Brené Brown, Sozialwissenschaftlerin und Professorin an der University of Houston, hat zu diesen Themen weitreichende Forschungen angestellt und kommt zum Ergebnis: Um unser Leben aus ganzem Herzen leben zu können, müssen wir lernen, unsere Verletzlichkeit, unsere negativen Gefühle und unser unperfektes Menschsein zu umarmen.

Das sehe ich genauso. Unsere Unperfektheit und unsere Schwächen sind Teil unseres Menschseins. Nehmen wir sie doch an, anstatt zu versuchen, sie zu überdecken oder zu verstecken.

Manchmal brauchen wir dazu Hilfe; einen uns zugewandten Menschen aus dem Freundeskreis oder der Familie zum Beispiel. Manchmal auch einen Profi wie einen Coach oder Therapeuten. Es lohnt sich, denn die Steigerung der Lebensqualität ist immens, wenn wir unseren Perfektionismus ablegen und die Versagensängste überwinden!

Verändern dein Leben nach dem Motto: Werde wesentlich, nicht perfekt!

Du hast hohe Ansprüche an dich selbst und möchtest besser damit umgehen? Hier findest du mehr über mein Angebot:

Melde dich gerne bei mir. Ich freue mich auf deine Anfrage!

#perfektionsfalle #veränderungwagen

Perfektionismus ablegen: Wann „Done is better than perfect“ gilt – und wann nicht

Den Satz „Done is better than perfect“ kennst du vermutlich. Die Einstellung „Erledigt ist besser als perfekt“ ist eine oft genannte Strategie, wenn es darum geht, den eigenen Perfektionismus abzulegen. Doch ist es genug, Dinge einfach „zu erledigen“? Bleibt da nicht die Qualität auf der Strecke? In diesem Beitrag findest du meine Gedanken dazu.

Warum Perfektionismus oft von außen verstärkt wird

Als genesende Perfektionistin stimme ich für eine große Anzahl an Tätigkeiten, die wir tagtäglich zu erledigen haben, dem Satz „Done is better than perfect“ zu. Es gibt es vieles, was wir im Sinne des Pareto-Prinzips erledigen können, mit ausreichend gutem Ergebnis: 20 % Energie bringen 80 % Ergebnis, lautet die Formel. Die restlichen 80 % Energie, die wir in eine Aufgabe stecken, bringen nur mehr 20 % Ergebnis.

Demnach sparen wir also jede Menge Energie, wenn wir es mit den 80 % Energie-Aufwand gut sein lassen. Reicht doch! Die Aufgabe ist erledigt, und weiter geht es mit den wichtigen Dingen.

Doch die Frage ist, ob unsere Gesellschaft diese gelassene Einstellung überhaupt zulässt? Denn leider hat sich in unserer Kultur eine stetig wachsende Erwartung von perfekter Leistung aufgebaut, selbst wenn es um Kleinigkeiten geht.

Zum Beispiel bei der Chefin, die noch den allerletzten Kommafehler im schriftlichen Vorgang mit schnippischen Bemerkungen moniert. Da ist nichts mit „Done is better than perfect“. Ihre Erwartung, dass Schriftstücke fehlerfrei sein müssen, bringt in der Folge den Mitarbeiter dazu, Unterlagen ab sofort nicht nur einmal, sondern mindestens dreimal zu lesen und zu überarbeiten.

Wie jeder Journalist und jede Autorin weiß, können dann trotzdem noch Fehler drinstecken. Korrekturlesen muss jemand, der den Text nicht geschrieben hat; die Autorin überliest eigene Fehler meistens. Nicht aus Blödheit, sondern weil unser Gehirn auf ganz bestimmte Art arbeitet.

Manche Autisten und neurodivergente Menschen besitzen die Fähigkeit, hervorragend und langandauernd seitenweise Programmiercodes auf Fehler prüfen zu können. Ihr Gehirn arbeitet tatsächlich eher wie der unbestechliche Computer.

Doch für die meisten von uns ist es schwierig, die eigenen Fehler in Texten zu erkennen. Unser menschliches Gehirn hat da seine Schwachpunkte, während es in anderen Bereichen glänzt.

Das bedeutet: Auch wenn sich der Mitarbeiter doppelt und dreifach anstrengt, um dem Wunsch der Chefin nach fehlerfreien Schriftstücken zu entsprechen, wird ihm das nur schwer gelingen. Noch dazu kostet es ihn ungemein viel Energie, diese Perfektion erreichen zu wollen.

Wann sich Perfektion lohnt – und wann nicht

Aber: Hat die Chefin nicht das Recht auf ein erstklassiges, fehlerfreies Schriftstück?

Hier gilt: Es hängt davon ab.

Ist es ein staatstragendes Schriftstück, welches über Krieg oder Frieden entscheidet? Ja? In diesem Fall ist Perfektionismus angesagt. Die Chefin sollte am besten einen Stab der besten Mitarbeiter dransetzen, die auch noch am letzten Buchstaben feilen!

Oder ist es eher ein schriftlich festgehaltener Vorgang, der nur abgeheftet wird? Dann gilt: „Done is better than perfect“. Vereinzelte Komma- und Rechtschreibfehler spielen nicht wirklich eine Rolle. Das sollte auch der Chefin klar sein.

Entscheide bewusst, wann Perfektion wirklich nötig ist!

Wie du im Beispiel aus dem vorigen Abschnitt siehst, brauchen wir 2 Dinge, um Perfektionismus ablegen zu können:

  • Eine gute Unterscheidungsfähigkeit, sodass wir Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden können.
  • Den Mut, zu einer Entscheidung zu stehen.

In unserem Beispiel braucht der Mitarbeiter Unterscheidungsfähigkeit, um erkennen zu können, welches Schriftstück wichtig ist und welches nicht.

Ebenso benötigt er Mut, um mit der Chefin – die vielleicht perfektionistisch veranlagt ist – zu klären, wie (un)wichtig die absolute Fehlerfreiheit des Briefs tatsächlich ist. Und um ihr klar aufzuzeigen, wie viel Zeit ihn das akribische Überprüfen eines Schriftstücks kostet. Zeit, die dann für andere, vielleicht wichtigere, Aufgaben fehlt.

Auch die Chefin braucht Unterscheidungsfähigkeit und Mut. Sie muss bestimmen, welche Aufgaben wirklich wichtig sind und perfekt erledigt werden müssen, und welche nicht. Und sie muss den Mut haben, Unperfektes zuzulassen. Nicht einfach – vor allem, wenn man perfektionistisch veranlagt ist!

Die eigentliche Ursache von Perfektionismus

Perfektionismus – wie in unserem Beispiel die Forderung nach absoluter Fehlerfreiheit im Schriftstück – erwächst häufig aus der Angst, einen Fehler zu machen und dafür getadelt zu werden. Perfektionismus ist ein (häufig unbewusstes) Überlebensprogramm, welches Versagensangst und das Gefühl der Beschämung verhindern soll.

Dieses Muster verhindert jedoch Kreativität und Innovation. Perfektionistisches Denken befördert den arbeitenden Menschen gleichsam zu einem Roboter, der fehlerfrei und ohne Ausruhen perfekt funktionieren muss.

Mehr dazu liest du in Schluss mit Perfektionismus und Versagensangst: Ursachen, Selbsttest, Tipps.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, möchte ich ergänzen: Perfektionismus ist nicht gleichzusetzen mit dem Streben nach hoher Qualität. Aber es gibt eine Grenze, ab der das gesunde Streben nach hoher Qualität zu einem ungesunden Perfektionismus wird.

Mein Fazit: „Gut genug“ ist oft wirklich gut genug!

Solltest du glauben, mein Beispiel wäre an den Haaren herbeigezogen und in der Berufswelt wäre doch schon eine viel gelassener Umgang mit Fehlern angekommen, dann irrst du dich. Da höre ich ganz andere Geschichten!

In meinen Coachings erlebe ich immer wieder, wie sehr Menschen unter dem eigenen perfektionistischen Anspruch an sich selbst leiden. Auf Dauer belasten der hohe Anspruch und das Streben nach Perfektion die Psyche und den Körper.

Deshalb: Wenn’s nicht wirklich wichtig ist, dann sei bitte gelassener mit dir und den Ansprüchen an dich selbst. „Done is better than perfect“ ist oft genau richtig.

Und glaub mir: Den Perfektionismus abzulegen und hinter dir zu lassen, wird deine Lebensqualität ungemein verbessern. Als genesende Perfektionistin weiß ich das aus eigener Erfahrung!

Häufige Fragen zum Thema „Perfektionismus ablegen“

Gilt „Done is better than perfect“ für alle Aufgaben?

Nein! Es braucht Unterscheidungsfähigkeit: Überlege dir, welche Aufgabe wirklich höchste Präzision erfordert, und welche mit weniger Aufwand bereits gut erledigt ist.
Wenn du bewusst entscheidest, wann Perfektion nötig ist und wann nicht, sparst du enorme Energie, ohne an echter Qualität einzubüßen.

Was ist der Unterschied zwischen Perfektionismus und dem Streben nach hoher Qualität?

Eine Person, die hohe Qualität anstrebt, möchte gute Arbeit leisten. Jemand, der perfektionistisch denkt, verbindet hingegen Fehler mit dem eigenen Wert: Aus „Das war nicht gut genug“ wird „Ich bin nicht gut genug“.

Wie erkenne ich, dass mein Perfektionismus meine Gesundheit belastet?

Wenn du nach der Arbeit nicht abschalten kannst, Erledigtes immer wieder kontrollierst, das Gefühl hast, nie wirklich fertig zu sein und die Erschöpfung zunimmt, können das Anzeichen dafür sein, dass dein Perfektionismus deiner Gesundheit schadet.

Was ist der erste konkrete Schritt, um Perfektionismus zu überwinden?

Fang mit einer einzigen Frage an: „Wäre ich als Mensch weniger wert, wenn diese Aufgabe nicht perfekt wäre?“
Wenn deine ehrliche Antwort irgendwo bei „Ja“ liegt, liegt der Ursprung deines Perfektionismus vermutlich in der Verknüpfung zwischen Leistung und Selbstwert. In diesem Fall ist der erste konkrete Schritt, dass du diesen Gedanken bewusst hinterfragst. Immer wieder.

Du möchtest deinen Perfektionismus ablegen und hättest gerne Unterstützung?

Hier sind meine Angebote zum Thema Perfektionismus:

Melde dich gerne bei mir. Ich freue mich auf deine Anfrage!

Perfektionismus & Versagensangst: Symbolbild. Frau hält sich gestresst den Kopf.

Schluss mit Perfektionismus und Versagensangst! Ursachen, Selbsttest, Tipps

Perfektionismus und Versagensangst machen vielen zu schaffen: Immer häufiger erlebe ich in Coachings und meinen Workshops Menschen, die unter dem Diktat „alles perfekt machen zu müssen“ in die Knie gehen. Denn der übertriebene Drang nach Perfektion hat heute nahezu alle Lebensbereiche erfasst: Beruf, Familie und Partnerschaft, Hobbys, Fitness und Aussehen.

In diesem Blogartikel erfährst du, was die Ursachen für Perfektionismus & Versagensangst sind; wie du herausfindest, ob du zu Perfektionismus neigst; und wie du den Perfektionismus ablegen kannst.

Die Ursache von Perfektionismus und Versagensangst: Hoher Anspruch an uns selbst

Auf uns lastet ein unablässiger Optimierungsdruck. Einerseits machen wir uns diesen Druck selbst, indem wir in allen Lebensbereichen hohe Erwartungen an uns haben: Wir möchten die perfekte Familie und Partnerschaft haben, außergewöhnliche Hobbys vorzeigen können, einen durchtrainierten Körper haben und gut aussehen.

Fangen wir mit dem Privatleben an:

  • Die Hobbys, die uns eigentlich entspannen sollen, machen uns Druck: 
    • Fitness-Tracker haben uns fest im Griff, indem sie permanent Feedback darüber geben, wie konsequent wir unsere Trainingspläne umsetzen.
    • Auf Blogs und Sozialen Medien sehen wir jede Menge Menschen, die scheinbar mühelos die tollsten Plätzchen backen, Regale zimmern und ganze Garderoben schneidern. Viel schöner und besser, als wir es hinbekommen. Und dabei makellos aussehen. Perfekt eben.
  • Die Sozialen Medien üben einen enormen Druck auf uns aus. Wir werden ständig mit einer Flut an Bildern von perfekt aussehenden Menschen mit Familien in perfekt wirkenden Szenarien konfrontiert. Ganz automatisch passiert es, dass wir uns vergleichen. Wir wollen mithalten.
  • Nicht mal beim Netflix-Abend lässt der Druck nach: Die Bilder von schönen Menschen sind einfach zu verlockend. Klar wissen wir, dass sie retuschiert sind. Aber ein bisschen mehr Make-up, eine stylischere Bluse, mehr Sport – hach, das sollten wir doch hinbekommen!

Dazu kommen berufliche Erwartungen

  • Im Beruf soll man Höchstleistungen erbringen, hohe Gewissenhaftigkeit zeigen, Karriere machen. Wir wollen erfolgreich sein, Geld verdienen, und diesen Erfolg auch nach außen zeigen. Locker lassen? Tempo rausnehmen? Fehler machen, Misserfolge eingestehen? Lieber nicht. Das könnte als Schwäche ausgelegt werden, als Versagen. Als Scheitern.

Das alles ist Dauer-Stress: Wenn wir die Ideale nicht erfüllen, nicht perfekt rüberkommen, droht Ablehnung, im echten Leben oder als Shitstorm auf Social Media. Das wollen wir nicht. Also müssen wir uns noch mehr anstrengen!

Du merkst, worauf ich hinaus will: Sowohl im Privatleben als auch im Beruf stehen wir unablässig unter dem Druck, perfekt zu sein und uns zu beweisen. Druck von uns selbst, und Druck von außen. Das Ergebnis: Wir schrauben unsere Ansprüche an uns selbst immer weiter in die Höhe.

Dazu kommt die Versagensangst; also die Angst, die Ansprüche, die wir selbst an uns stellen, nicht zu erreichen. Für unser perfektionistisches Streben sind wir nie gut genug. Es sind verflixt hohe Standards, die wir erreichen wollen!

Der Soziologe Heinz Bude spricht hier von der „Generation Null Fehler“: Wir glauben, keine Fehler machen zu dürfen. Wir müssen perfekt sein, um mithalten zu können.

Ob dieser Perfektionismus anstrengend ist? Oh ja. Immens anstrengend! Denn: Ehrgeizig zu sein und alles perfekt machen zu wollen, das ist Kräfte raubend!

Risiken von übermäßigem Perfektionismus und Versagensangst

Einen ausgeprägten Hang zum Perfektionismus und Versagensangst sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen: Perfektionismus ist oft ein direkter Weg ins Burnout!

Psychiater bestätigen, dass die meisten Burnout-Patientinnen und Patienten perfektionistisch veranlagt sind. Sie vermuten, dass man über kurz oder lang eher von einer „perfektionistischen Persönlichkeitsstörung“ sprechen wird. Eine weitere Vermutung ist, dass Perfektionismus auch Angststörungen und Depressionen begünstigt.

Menschen, die von Perfektionismus und Versagensangst betroffen sind, haben häufig eines gemeinsam: Ein niedriges Selbstwertgefühl, welches jedoch von außen selten gesehen, jedoch innerlich gespürt wird. Sie haben Angst davor, einen Fehler zu machen und deshalb als Person abgelehnt zu werden, beschämt zu werden.

Diese Angst führt dazu, dass sie innerlich eng werden. Und sich noch mehr anstrengen, um nur ja alles richtig zu machen. Ein Teufelskreis.

Aber: Nicht jedes Streben nach Perfektion ist schlecht!

Die gute Seite des Perfektionismus: Ohne das Streben nach hoher Qualität wäre die Welt ärmer. Und schlechter dran! Mir fallen auf Anhieb viele Berufe ein, in denen ich mir wünsche, dass Perfektionisten am Werk sind. Chirurginnen, zum Beispiel. Das Wartungspersonal am Flughafen, das dafür sorgt, dass Flugzeuge und Flugverkehr reibungslos funktionieren. Handwerker, die den Wasserschaden reparieren. Und viele mehr.

Und über Spitzenleistungen in Sport, Musik und Kunst sind wir doch begeistert! Ohne das Streben nach Vervollkommnung – nach Perfektionismus – wären diese Leistungen nicht möglich.

Der Drang nach exzellenten Leistungen ist also nicht per se schädlich. Menschen mit der gesunden Variante des Persönlichkeitsmerkmals „Perfektionismus“ streben danach, ihre Sache gut zu machen. Sie verfolgen Ziele gewissenhaft und freuen sich über positive Ergebnisse. Gleichzeitig können sie sich auch zugestehen, dass sie auf dem Weg zum Ziel nicht alles richtig machen. Dass es Rückschläge gibt.

Diese Menschen sind zwar Perfektionisten, weil sie wirklich gut sein wollen und etwas erreichen wollen. Sie fürchten sich aber nicht davor, Fehler zu machen, und sie haben keine Angst vor dem Scheitern, keine Versagensangst.

Vor allem aber neigen sie nicht dazu, gleich ihre gesamte Persönlichkeit infrage zu stellen, wenn etwas nicht so klappt wie geplant.

Ein kleiner Perfektionismus-Test: Bist du ein Perfektionist?

Neigst du zu Perfektionismus? Wenn ja: Hast du deinen Perfektionismus im Griff? Oder hast du eher das Gefühl, dass es umgekehrt ist? Dass du in der Perfektionismus-Falle sitzt?

Diese 5 Fragen helfen dir dabei, dich selbst einzuschätzen. Überlege: Welche dieser Aussagen würdest du unterschreiben?

  • Ich muss immer alles richtig machen. Wenn ich etwas nicht perfekt mache, dann bin ich eine Versagerin/ein Versager!
  • Wenn mich jemand wegen eines Fehlers kritisiert, befürchte ich abgelehnt zu werden.
  • Ich kontrolliere häufig doppelt und dreifach, ob ich etwas richtig gemacht habe.
  • Abends habe ich immer das Gefühl, dass ich tagsüber zu wenig gemacht habe. Dann kann ich mich nicht entspannen.
  • Wenn ich eine Aufgabe erfolgreich abgeschlossen habe, kann ich mich fast nie darüber freuen, sondern gehe gleich wieder zur Tagesordnung über. Das war doch selbstverständlich!

Diese Aussagen stehen alle für einen ungesunden, negativen Perfektionismus. Je mehr davon auf dich zutreffen, umso größer die Wahrscheinlichkeit, dass du in der Perfektionismus-Falle sitzt.

Leider reicht es nicht, sich dessen bewusst zu sein. Einer Perfektionistin oder einem Perfektionisten ist mit Sprüchen wie „Dann lass das doch mal liegen!“, „Begnüge dich mit einmal Überarbeiten – statt 3 Überarbeitungs-Durchgängen“, „Delegiere endlich!“ nicht geholfen. Wenn die betroffene Person das könnte, hätte sie es schon lange getan!

Perfektionistinnen und Perfektionisten können nicht „einfach locker lassen“ oder weniger perfekt arbeiten oder delegieren. Der innere Anspruch und die Versagensangst zwingen sie dazu, perfekte Ergebnisse zu liefern. Denn an das Ergebnis ist der eigene Selbstwert gebunden.

Perfektionisten beiderlei Geschlechts sind daher extrem empfindlich gegenüber Kritik. Kritisiert werden bedeutet für sie:

„Du hast einen Fehler gemacht, und das beweist: Du bist einfach nichts wert.
Du hast die Ansprüche nicht erfüllt und bist und bleibst eine Versagerin / ein Versager!“

Perfektionismus und Versagensangst ablegen: Raus aus dem perfektionistischen Denken!

Glaub mir: Ich spreche hier nicht als außenstehende Expertin, die Perfektionismus nur aus der Fachliteratur kennt.

Ich bin selbst eine genesende Perfektionistin, mit einem jahrelangen Hang zu hohen Ansprüchen an mich selbst und an andere. Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn man unbedingt alles richtig machten möchte. Und wie viel Energie das kostet!

Was mich verändert hat? Die Erkenntnis, dass hinter Perfektionismus fast immer die Angst steckt, dass man als Person abgelehnt wird, wenn man etwas „nicht richtig macht“. Perfektionismus ist keine Schwäche, sondern ein erlerntes Überlebensprogramm. Und erlerntes Verhalten lässt sich verändern.

Hier sind drei Tipps, die ich selbst anwende und auch in meinen Coachings weitergebe. Vielleicht helfen sie dir!

Tipp 1: Der Satz „Das ist gut genug!“ 

Überlege bitte: Wie fühlt sich der Satz „Das ist gut genug“ für dich an? Kommt er in deiner Gedankenwelt vor?

Ja? Das ist gut und zeigt, dass der Perfektionismus dich nicht beherrscht.

Nein? Dann probiere einmal Folgendes: Lehne dich zurück und schließe einen Moment die Augen. Und dann sage dir folgenden Satz:

  • Ich muss nicht immer perfekt sein. Mein Bestes – jetzt- ist gut genug!

Höre in dich hinein: Was rührt sich dabei in deinem Inneren? Fühlst du Erleichterung? Oder regt sich Widerstand in dir?

Beobachte, ob du folgende oder ähnliche Gedanken bei dir bemerkst:

  • Was denken die anderen, wenn ich nicht perfekt bin?
  • Es wäre beschämend, wenn ich mich unperfekt zeige!

Wenn das der Fall ist, stelle dir bitte die nächsten Fragen:

  • Was würde wirklich passieren, wenn ich nicht perfekt bin?
  • Was befürchte ich?

Notiere deine ersten spontanen Antworten. Beobachte, ob sie in folgende oder ähnliche Richtung gehen:

  • Aber dann denken alle, dass ich versagt habe.
  • Aber dann denken alle, dass ich nie etwas hinbekomme.
  • Aber dann denken alle, dass ich nur zu faul bin.

Wenn ja, unterziehe diese Gedanken einem Realitäts-Check – siehe Tipp 2.

Tipp 2: Der Realitäts-Check für einen entspannteren Umgang mit Perfektionismus!

Überprüfe deine Befürchtungen auf die Realität und stelle dir folgende Fragen:

  • Ist deine Befürchtung wirklich wahr?
  • Welche Beweise gibt es dafür, dass meine Befürchtung eintreten wird?
  • Was würde denn passieren, wenn alle genau das über mich denken würden, was ich befürchte?

Stelle dir bitte auch die Worst-Case-Fragen:

  • Könnte ich es überleben, wenn meine Befürchtung eintritt?
  • Wie realistisch ist es, dass das passiert?

Beantworte diese Fragen ehrlich und suche eventuell wieder nach Beweisen, um deine Antworten zu belegen.

Und überlege, was denn passieren würde, wenn du deine Versagensangst ablegst und stattdessen folgende Sätze als Wahrheit akzeptierst:

„Ich muss nicht immer perfekt sein. Ich darf üben, ich darf ausprobieren und Erfahrungen sammeln.“

Tipp 3: Perfektionismus und Versagensangst überwinden mit einer kinesiologischen Übung

Du verspürst Erleichterung oder ein Weit-Werden, wenn du dir den letzten Satz aus Tipp 2 sagst? Ja? Dann empfehle ich dir eine kinesiologische Übung, mit der du das alte, sabotierende Perfektionismus-Muster überschreiben kannst. Und das geht so:

  • Aktiviere deine Lebensfreude, indem du dich leicht und zart auf den oberen Teil deines Brustbeins klopfst. Dahinter ist der Sitz deiner Thymus-Drüse, und die wird durch das zarte Klopfen stimuliert.
  • Während du das tust, wiederhole deine neue Wahrheit: „Ich muss nicht immer perfekt sein. Ich darf üben, ich darf ausprobieren und Erfahrungen sammeln.“

Du wirst sehen: Es funktioniert. Bleib dran – damit du endlich rauskommst aus der Perfektionismus-Falle. Du bist gut genug!

Viel Spaß beim Ausprobieren!

Häufige Fragen zu Perfektionismus und Versagensangst

Bin ich perfektionistisch, oder habe ich einfach hohe Ansprüche?

Der entscheidende Unterschied zwischen „perfektionistisch“ und „hohe Ansprüche haben“ zeigt sich im Umgang mit Fehlern.
Wer hohe Ansprüche hat, ist enttäuscht, wenn etwas schiefläuft, steht danach aber wieder auf.
Perfektionisten stellen bei Fehlern nicht nur ihre Arbeite, sondern sich selbst infrage: „Das beweist, dass ich nicht gut genug bin.“ Wenn sich Kritik wie eine persönliche Ablehnung anfühlt, ist das ein starker Hinweis auf Perfektionismus.

Was hat Perfektionismus mit Selbstwert zu tun?

Sehr viel. Perfektionismus entsteht, wenn der eigene Selbstwert an Leistung geknüpft ist, und nicht an die eigene Person. Wer denkt: „Ich bin wertvoll, weil ich gute Arbeit leiste“, denkt im Umkehrschluss: „Wenn ich einen Fehler mache, bin ich weniger wert.“

Führt Perfektionismus wirklich zum Burnout?

Perfektionismus ist ein wesentlicher Risikofaktor für Burnout. Wer schlecht delegieren kann, sich nie mit „gut genug“ zufrieden gibt und sich dauerhaft unter Druck setzt, verbraucht enorm viel Energie. Irgendwann gerät das Nervensystem dauerhaft in einen Alarmzustand, und das Risiko für Burnout steigt.

Kann man Perfektionismus alleine überwinden, oder brauche ich Hilfe?

Manchen Menschen gelingt es, sich mithilfe von gezielten Übungen und konsequenter Selbstbeobachtung aus der Perfektionismus-Falle zu lösen.
Wenn das Muster jedoch tief verankert ist — oft seit der Kindheit — reicht Selbstbeobachtung nicht aus. Ein begleitendes Coaching oder eine therapeutische Unterstützung kann dabei helfen, den Selbstwert zu stärken und den Perfektionismus zu überwinden.

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