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Sechs Fragen um bei sich zu bleiben, statt außer sich zu geraten

Carmen Reuter - Anti-Ärger-Training - Sechs Fragen um bei sich zu bleiben

Neigen Sie auch dazu sich schnell aufzuregen? Auf die Palme zu gehen?

Das ist zum einen dem Temperament geschuldet, zum anderen ist es auch einfach Gewohnheit. Wenn Sie, jedoch wie ich, versuchen gelassener und freundlicher mit anderen Menschen, vor allem Ihren Lieben umzugehen, dann helfen Ihnen vielleicht die folgenden Fragen. Ich entdeckte sie im Blog von Gretchen Rubin, einer amerikanischen Bestseller-Autorin. Anscheinend besitzt sie ein ähnliches Temperament wie ich.

Wenn mein Temperament mit mir durchgeht und ein kleines Restchen Selbstbeobachtung übrig bleibt, dann schaffe ich es (manchmal) mir folgende Fragen zu stellen.

1. Liegt der Fehler bei mir?

Wenn etwas falsch läuft, ist mein erster Impuls gewöhnlich den Fehler bei anderen zu suchen. Dann bin ich schnell dabei andere anzuschnauzen. Ich versuche nämlich sehr verantwortlich und mit großem Überblick meine Aufgaben richtig zu erledigen. Da müssen doch die anderen Schuld haben… Doch ich sehe ein, dass auch mir Fehler passieren und mache mir das inzwischen immer öfter klar, bevor ich maule.

2. Löst das irgendein Problem?

Besonders ärgerlich finde ich wiederkehrende Situationen, wenn ich doch beim letzten Mal eindeutig klargemacht hatte, wie es zu sein hat.
Zumindest in meiner Vorstellung gibt es eindeutige Regeln und Verhaltensweisen, wie etwas richtig ist. Und warum hält sich das Gegenüber dann nicht daran? Es ist jedoch Fakt, dass andere Menschen andere Gewohnheiten und Sichtweisen auf die Welt haben. Anschnauzen verändert also gar nichts, außer dass es dazu führt, dass sich alle schlecht fühlen.

3. Verbessere ich die Situation?

Mein Sohn hatte als kleiner Junge die Angewohnheit, beim Zimmer aufräumen, alles in seinen Kleiderschrank zu stecken. Nach dem Motto: aus den Augen, aus dem Sinn. Das umfasste auch dreckige Fußballschuhe, feuchte Handtücher, angebrochene Getränke-Packungen und ähnlich Unappetitliches. Das brachte mich regelmäßig zum Ausrasten. Frage 2 konnte mir hierbei nicht helfen. Selbst mein rhetorisch gut beschlagener Sohn konnte mir nicht erklären, was an seiner Variante des Schrank-rein-Stopfens gut sein sollte. Wenn ich ihn jedoch scharf anblaffte, eskalierte die Situation rasend schnell. Er wurde dann fuchsteufelswild und seine Wutanfälle stecken meine locker in die Tasche.
Es ist also wesentlich effektiver ruhig zu bleiben, wenn man sich den Ausgang einer Situation schon vorstellen kann. Außerdem auch liebevoller.

4. Habe ich mich selbst unter Zeitdruck gebracht?

Ich neige zum Beispiel dazu noch eine Aufgabe zu erledigen (Waschmaschine anschalten, Geschirr aufräumen o. ä.), kurz bevor ich außer Haus muss. Dann ist mein Zeitfenster natürlich entsprechend klein. Jede Verzögerung, die durch einen Mitmenschen ausgelöst wird, treibt meinen Ärger-Spiegel in die Höhe. Ich bin immer noch dabei mir anzugewöhnen, Zeitfenster als echte Pausen zu nutzen. Das hilft zum einen meine Energiereserven zu füllen und verhindert zum anderen meine gereizte Ungeduld.

5. Ist mir gerade unwohl?

Es gibt viele Menschen, die es nicht bemerken, dass sie hungrig oder müde sind, oder die sich eventuell sogar mit Schmerzen herumplagen. Sie reagieren dann schnell gereizt und verärgert. Wenn Sie das über sich wissen, dann sorgen Sie gut für sich, indem Sie Pausen machen, immer eine Kleinigkeit zu essen dabei haben oder etwas gegen Ihre Schmerzen tun.

6. Kann ich das Absurde in der Situation sehen?

Über sich selbst und über die Situation lachen zu können, ist sicher die effektivste und schönste Art der Ärger-Falle zu entgehen. Ich empfehle damit anzufangen, sich im Nachgang zu überlegen, wie die Situation wohl im Comic gewirkt hätte. Oder was eine gute Komödien-Regisseurin aus der Situation gemacht hätte. In dem Moment, wenn Sie etwas finden, was Sie schmunzeln oder grinsen lässt, haben Sie in Ihrem Gehirn eine neue Wahlmöglichkeit für die Zukunft angelegt.

Was hilft Ihnen nicht auf die Palme zu gehen? Ich freue mich auf Ihre Ideen.
Auf gelassene Zeiten!

 

 

Geschrieben von : Carmen Reuter