BLOG

Selbstausbeutung

Carmen Reuter - Veränderung wagen - Wachsen und aufblühen

Selbstausbeutung

Heute Morgen bin ich aufgewacht und der erste Gedanke, der mir in den Sinn kam: „Du musst aufstehen. Du darfst keine Zeit verlieren. Setz dich gleich hin und…“
Wie denn?

Kennen Sie diese Art des inneren Dialogs?

Diesen Antreiber, der im Befehlston Aktion fordert? Es handelt sich dabei um verinnerlichtes Erfahrungswissen, von Kindheit so oft gehört, dass wir es für völlig normal halten, so zu denken und uns so zu managen. Mit dieser Art des unreflektierten Selbstmanagements sind wir großartig im Erledigen geworden, erreichen viele Ziele und leisten Enormes.
Doch wir sind damit zu Selbstausbeutern geworden, wie es der Philosoph Byung Chul-Han in seinem Essay „Müdigkeitsgesellschaft“ beschreibt. Die Leistungsgesellschaft fordert und wir beugen uns dem Druck.

Yes we can!

Eigentlich ist niemand da, der uns zwingt oder ausbeutet. Wir sind HerrIn unserer selbst. Wir müssen nicht mehr, sondern wir wollen leisten. Das führt nur leider nicht zur Freiheit, sondern zu noch mehr Arbeit. „Yes we can! Nichts ist unmöglich.“ Leiste einfach mehr. Ja, wir schaffen das! Der Mensch der Leistungsgesellschaft erliegt dem freien Zwang zur Maximierung der Leistung.

Muss das sein? Ist das so? Und muss es so bleiben?
Die Corona-Krise mit dem Lock-Down brachte für viele Menschen einen Stopp des Normalen. Bei ungefähr der Hälfte der Menschen, die ich kenne, brach Arbeit und Beschäftigtsein weg. Bei der anderen Hälfte nahm die Arbeit enorm zu, nicht nur bei Pflegekräften, sondern auch bei Steuerberatern, Supermarktangestellten, Politikern, IT-Bereitstellern u.v.a.
Doch was wir alle erleben ist die Ruhe im öffentlichen Raum; leere Straßen und Plätze, keine Staus, kein Geschiebe und Gedränge dafür Vogelzwitschern.

Ruhe auch für uns? Stille zum Innehalten?

Als Selbstständige, deren Geschäft im direkten Kontakt mit Menschen stattfindet, mache ich mir viele Gedanken, wie es für mich weitergehen kann. Dabei bemerke ich die fiebrigen Gedanken, die von existenziellen Ängsten befeuert werden. Doch gleichzeitig wünsche ich mir, dass viele Menschen - vielleicht erstaunt, wie aus einem Traum erwachend - sich die Fragen stellen:

  • Will ich/wollen wir so weitermachen?
  • Ist das das Leben, welches wir uns wünschen?
  • Was ist wirklich wichtig? Welche Bedürfnisse habe ich, wenn die Existenz gesichert ist?
  • Und, nehme ich meine Bedürfnisse wirklich ernst?
  • Wie könnte ein Kurswechsel aussehen? Wie könnte er gelingen?

Ideen liefert hier der Zukunfstforscher Matthias Horx:
https://kurier.at/wissen/matthias-horx-das-ist-ein-historischer-moment/400785341

Wie geht es Ihnen mit meinen Fragen? Ich freue mich auf Ihr Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

 

Geschrieben von : Carmen Reuter